Hand schreibt eine Checkliste in ein Notizbuch
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Recht & Finanzen19. April 20269 Min. Lesezeit

Elternvereinbarung: Muster und Bausteine für Österreich

Mit einer Elternvereinbarung regeln getrennte Eltern den Alltag ihrer Kinder schriftlich, ohne dass ein Gericht entscheiden muss. Hier finden Sie ein Muster nach österreichischem Recht, die wichtigsten Bausteine und was Sie tun müssen, damit die Vereinbarung im Streitfall auch hält.

Nach einer Trennung bleibt eine Aufgabe, die beide Eltern verbindet: die Verantwortung für die Kinder. Wie oft ist das Kind bei wem? Wer zahlt was? Wie reden die Eltern miteinander? Eine schriftliche Elternvereinbarung beantwortet diese Fragen, bevor sie zum Streit werden.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Rechtsberatung. Lassen Sie Ihre Vereinbarung von einer Anwältin oder einem Anwalt für Familienrecht oder einer Familienberatungsstelle durchsehen.

Was eine Elternvereinbarung ist

Eine Elternvereinbarung, oft auch Elternplan genannt, ist eine schriftliche Absprache getrennter Eltern über die wichtigen Fragen rund um ihre Kinder. Sie legt fest, wer das Kind wann betreut, wo es hauptsächlich lebt, wie der Unterhalt geregelt ist und wie die Eltern miteinander kommunizieren.

Es geht dabei nicht darum, wer gewinnt. Kinder brauchen nach einer Trennung vor allem Stabilität und einen Alltag, auf den sie sich verlassen können. Feste Übergabezeiten und klare Abläufe nehmen Kindern und Eltern viel Druck.

Die rechtliche Grundlage

Obsorge, Kontakte und Kindesunterhalt regelt das ABGB, das Verfahren vor dem Pflegschaftsgericht das Außerstreitgesetz. Waren die Eltern verheiratet, bleibt die Obsorge nach der Trennung grundsätzlich bei beiden. Bei unverheirateten Eltern hat zunächst die Mutter die Obsorge allein, die Eltern können aber die gemeinsame Obsorge vereinbaren.

Bei Vereinbarungen über Obsorge, Kontakte und Betreuung müssen Eltern das Wohl des Kindes bestmöglich wahren (§ 190 Abs. 1 ABGB).

Privat oder vor Gericht

Eine Elternvereinbarung können Sie ohne bestimmte Form und ohne Anwalt schreiben. Eine rein private Vereinbarung hat aber einen großen Nachteil: Sie ist nicht vollstreckbar. Hält sich ein Elternteil nicht daran, können Sie sie nicht direkt durchsetzen, sondern müssen erst eine gerichtliche Regelung beantragen.

Schließen Sie die Vereinbarung dagegen vor dem Pflegschaftsgericht, also dem Bezirksgericht, wird sie dort protokolliert. Seit 2013 braucht sie dann keine eigene gerichtliche Genehmigung mehr, um wirksam zu sein (§ 190 Abs. 2 ABGB). Das Gericht kann sie nur für unwirksam erklären, wenn sie das Kindeswohl gefährden würde. Eine solche Vereinbarung kann im Streitfall durchgesetzt werden. Auch eine vor Gericht geschlossene Vereinbarung über die Höhe des Unterhalts ist ohne Genehmigung wirksam und für den Unterhaltspflichtigen verbindlich (§ 190 Abs. 3 ABGB).

Ein guter erster Schritt ist der Amtstag am Bezirksgericht. Dort bekommen Sie kostenlos Auskunft und können Anträge protokollieren lassen.

Was das Gericht ohnehin wissen muss

Leben die Eltern getrennt und haben sie die gemeinsame Obsorge, muss feststehen, in welchem Haushalt das Kind hauptsächlich betreut wird. Diese Festlegung gehört in jede Elternvereinbarung, auch bei einer Doppelresidenz. Für reine Alltagsfragen wie Übergabezeiten oder Kommunikationsregeln braucht es kein Gericht, schriftlich festhalten sollten Sie sie trotzdem.

Die wichtigsten Bausteine

Eine vollständige Elternvereinbarung deckt mindestens die folgenden Bereiche ab. Passen Sie jeden Baustein an Ihre Familie an.

Angaben zu den Beteiligten

Am Anfang stehen Name, Geburtsdatum und Adresse beider Eltern, Name und Geburtsdatum jedes Kindes und sein derzeitiger Wohnort.

Obsorge

Halten Sie fest, ob die Obsorge gemeinsam bleibt oder ein Elternteil sie allein übernimmt. In den meisten Familien bleibt es bei der gemeinsamen Obsorge.

Eine mögliche Formulierung: „Die Obsorge für [Name des Kindes] üben beide Eltern gemeinsam aus. Entscheidungen in wichtigen Angelegenheiten wie Schule, Gesundheit und Reisen ins Ausland treffen wir gemeinsam."

Hauptsächliche Betreuung und Betreuungszeiten

Legen Sie fest, in wessen Haushalt das Kind hauptsächlich betreut wird und wie die Betreuungszeiten aufgeteilt sind.

Beispiel für eine Doppelresidenz: „[Name] lebt abwechselnd je eine Woche bei der Mutter und beim Vater. Der Wechsel findet jeden Montag nach der Schule statt."

Beispiel für ein Residenzmodell: „[Name] lebt hauptsächlich bei der Mutter. Beim Vater ist [Name] jeden zweiten Mittwoch von 15 bis 19 Uhr sowie jedes zweite Wochenende von Freitag 17 Uhr bis Sonntag 18 Uhr."

Formulieren Sie Übergaben so genau wie möglich, mit Wochentag, Uhrzeit und Ort. Vage Angaben wie „regelmäßiger Kontakt" führen später fast immer zu Streit.

Ferien und Feiertage

Ferien und Feiertage gehören zu den häufigsten Streitpunkten. Eine klare Regel im Voraus entschärft vieles.

Zeitraum Mögliche Regelung
Weihnachten Heiliger Abend bei der Mutter, 25. und 26. Dezember beim Vater, jährlich wechselnd
Ostern jährlich wechselnd
Sommerferien erste Hälfte bei der Mutter, zweite Hälfte beim Vater
Geburtstag des Kindes beim Elternteil, bei dem das Kind an dem Tag ist, eine gemeinsame Feier wenn möglich
Geburtstage der Eltern das Kind verbringt den Tag beim jeweiligen Elternteil
Schulveranstaltungen beide Eltern dürfen teilnehmen

Unterhalt

Halten Sie fest, wer Kindesunterhalt zahlt, wie viel und bis zu welchem Tag im Monat. Die Gerichte berechnen den Geldunterhalt meist als Prozentsatz vom Nettoeinkommen des unterhaltspflichtigen Elternteils, je nach Alter des Kindes zwischen 16 und 22 Prozent. Die aktuellen Richtwerte finden Sie in unserem Artikel zu den Regelbedarfsätzen.

Bei einer Doppelresidenz fällt der Geldunterhalt nicht automatisch weg. Verdient ein Elternteil deutlich mehr, schuldet er meist einen Restbetrag. Lassen Sie sich hier beraten, auch die Kinder- und Jugendhilfe hilft bei der Berechnung.

Sonderausgaben

Regeln Sie, wie Ausgaben geteilt werden, die nicht laufend anfallen, etwa Projektwochen, Zahnspange, Nachhilfe, Sportverein oder Musikschule.

Eine mögliche Formulierung: „Sonderausgaben ab 50 Euro besprechen wir vorher und teilen sie im Verhältnis unserer Nettoeinkommen."

Kommunikation

Legen Sie fest, wie Sie als Eltern miteinander reden und wie das Kind Kontakt zum anderen Elternteil halten kann:

  • der Kanal für Absprachen, zum Beispiel E-Mail oder eine App
  • eine Antwortzeit, etwa 24 Stunden
  • Telefonate des Kindes mit dem anderen Elternteil, zum Beispiel täglich ab 18 Uhr
  • keine abfälligen Bemerkungen über den anderen Elternteil vor dem Kind

Schritt für Schritt zur Vereinbarung

Erarbeiten Sie die Vereinbarung gemeinsam und in Ruhe, am besten mit Unterstützung einer Familienberatung oder Mediation.

  1. Sammeln Sie gemeinsam alle Themen, die geregelt werden müssen.
  2. Informieren Sie sich über die rechtlichen Grundlagen, zum Beispiel in einer Familienberatungsstelle.
  3. Erstellen Sie einen Entwurf. Die Vorlage unten ist ein Ausgangspunkt.
  4. Gehen Sie den Entwurf gemeinsam durch. Wo Sie sich nicht einig sind, kann eine Mediation helfen.
  5. Formulieren Sie alle Punkte so genau und eindeutig wie möglich.
  6. Lassen Sie den Entwurf prüfen, besonders wenn es um Obsorge, hauptsächliche Betreuung oder Unterhalt geht.
  7. Schließen Sie die Vereinbarung vor dem Pflegschaftsgericht, damit sie durchsetzbar ist.
  8. Legen Sie fest, wann Sie die Vereinbarung überprüfen, etwa einmal im Jahr oder bei einem Schulwechsel oder Umzug.

Was bei einer Doppelresidenz dazukommt

Die Doppelresidenz ist in Österreich möglich, aber kein gesetzlicher Regelfall. Wenn Sie sie vereinbaren, regeln Sie besonders sorgfältig,

  • in welchem Haushalt das Kind hauptsächlich betreut wird und gemeldet ist,
  • wann und wo die Wechsel stattfinden,
  • wie das Kind von beiden Wohnungen aus zur Schule oder in den Kindergarten kommt,
  • wer die doppelte Ausstattung bezahlt, also Kleidung, Schulsachen und Möbel,
  • wen Schule und Ärzte zuerst kontaktieren und
  • wie der Unterhalt bei unterschiedlichen Einkommen aussieht.

Die Vorlage zum Anpassen

Die folgende Vorlage ist vereinfacht und dient nur als Orientierung. Sie ersetzt keine rechtliche Beratung.

Elternvereinbarung

zwischen [Name Elternteil 1], geboren am [Datum], wohnhaft in [Adresse], und [Name Elternteil 2], geboren am [Datum], wohnhaft in [Adresse], betreffend das gemeinsame Kind [Name], geboren am [Datum].

  1. Obsorge: Wir üben die Obsorge gemeinsam aus. Wichtige Entscheidungen treffen wir einvernehmlich.
  2. Hauptsächliche Betreuung: [Name] wird hauptsächlich im Haushalt von [Elternteil] betreut und ist dort hauptgemeldet.
  3. Betreuungszeiten: [genaue Regelung mit Wochentagen, Uhrzeiten und Übergabeort]
  4. Ferien und Feiertage: [Regelung]
  5. Unterhalt: [Elternteil] zahlt monatlich [Betrag] Euro Kindesunterhalt, jeweils bis zum [Tag] des Monats.
  6. Sonderausgaben: [Regelung mit Wertgrenze und Aufteilung]
  7. Kommunikation: [Kanal, Antwortzeit, Telefonate des Kindes]
  8. Änderungen: Wir können diese Vereinbarung jederzeit gemeinsam schriftlich ändern und überprüfen sie jedes Jahr im [Monat].

Ort, Datum, Unterschriften beider Eltern

Für den Alltag hilft eine App wie Zweiheim.at, in der beide Eltern den Betreuungskalender, die Ausgaben und ihre Absprachen sehen.

Was die Vereinbarung tragfähig macht

  1. Schreiben Sie genau statt vage. „Nach Absprache" klingt flexibel, führt aber oft zu Streit.
  2. Nutzen Sie Beratung und Mediation. Familienberatungsstellen beraten in ganz Österreich kostenlos, und Familienmediation wird vom Bundeskanzleramt gefördert.
  3. Fragen Sie sich bei jeder Regel, was für Ihr Kind am besten ist, und nicht, was für Sie am bequemsten ist.
  4. Planen Sie Änderungen von Anfang an ein. Kinder werden älter, und das Leben ändert sich.
  5. Schließen Sie die Vereinbarung vor Gericht, auch wenn es gerade gut läuft. Im Ernstfall haben Sie dann etwas in der Hand.

Eine Elternvereinbarung ist kein Zeichen von Misstrauen. Sie schafft Klarheit, verhindert viele Konflikte und gibt Ihren Kindern die Stabilität, die sie nach einer Trennung brauchen.

Häufig gestellte Fragen

Ist eine Elternvereinbarung rechtlich bindend?

Eine private Vereinbarung ist ohne bestimmte Form möglich, aber nicht vollstreckbar. Schließen Sie sie vor dem Pflegschaftsgericht, ist sie ohne weitere Genehmigung wirksam und kann im Streitfall durchgesetzt werden (§ 190 ABGB).

Brauche ich für eine Elternvereinbarung einen Anwalt?

Vorgeschrieben ist das nicht. Lassen Sie den Entwurf aber zumindest prüfen, besonders wenn es um Obsorge, hauptsächliche Betreuung oder Unterhalt geht. Familienberatungsstellen helfen kostenlos, und am Amtstag des Bezirksgerichts bekommen Sie ebenfalls Auskunft.

Was passiert, wenn sich ein Elternteil nicht an die Vereinbarung hält?

Wurde die Vereinbarung vor Gericht geschlossen, kann das Gericht sie durchsetzen. Bei einer rein privaten Vereinbarung müssen Sie erst eine gerichtliche Regelung beantragen. Deshalb lohnt sich der Weg zum Gericht.

Kann eine Elternvereinbarung später geändert werden?

Ja, gemeinsam und schriftlich jederzeit. Einigen Sie sich nicht, kann jeder Elternteil beim Pflegschaftsgericht eine neue Regelung beantragen. Überprüfen Sie die Vereinbarung am besten einmal im Jahr.

Kann ich ein deutsches Muster verwenden?

Nur mit Anpassungen. Begriffe, Verfahren und Zuständigkeiten sind in Deutschland anders. In Österreich heißt es zum Beispiel Obsorge statt Sorgerecht und Kontaktrecht statt Umgangsrecht. Verwenden Sie besser eine österreichische Vorlage oder lassen Sie eine deutsche anpassen.

Was kostet es, die Vereinbarung vor Gericht zu schließen?

Erkundigen Sie sich beim zuständigen Bezirksgericht oder bei einer Familienberatungsstelle nach den aktuellen Kosten. In Pflegschaftssachen sind sie meist überschaubar, und die Auskunft am Amtstag ist kostenlos.

Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen zur Rechtslage in Österreich und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Kostenlose Erstauskunft gibt es zum Beispiel beim Amtstag Ihres Bezirksgerichts oder bei einer Familienberatungsstelle.

Ihr nächster Schritt

Was bedeutet das für Ihre Familie?

Rechnen Sie es in einer Minute aus. Mit Zweiheim planen Sie danach Betreuung, Absprachen und Ausgaben gemeinsam mit dem anderen Elternteil, kostenlos und ohne Kreditkarte.

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