Hand hält einen gefalteten 50-Euro-Schein über Unterlagen
Foto: Jakub Zerdzicki
Recht & Finanzen16. März 20267 Min. Lesezeit

Regelbedarfssätze 2026: Tabelle und was sie für den Unterhalt bedeuten

Die Regelbedarfssätze 2026 sind gegenüber 2025 um 10 bis 30 Euro im Monat gestiegen. Hier lesen Sie, welche Beträge 2026 gelten, was der Regelbedarf ist und was nicht, wie der Kindesunterhalt tatsächlich berechnet wird und was das für einen bestehenden Unterhaltsbeschluss bedeutet.

Nach einer Trennung kommt fast immer die Frage, wie viel Unterhalt dem Kind zusteht. Die Regelbedarfssätze spielen dabei eine Rolle, werden aber oft missverstanden.

Hinweis: Dieser Artikel ist ein allgemeiner Überblick und keine Rechtsberatung. Mit konkreten Fragen wenden Sie sich an eine Anwältin oder einen Anwalt für Familienrecht oder an die Kinder- und Jugendhilfe, die bei Unterhaltsfragen kostenlos unterstützt.

Was der Regelbedarf ist

Der Regelbedarf beschreibt, was ein Kind einer bestimmten Altersgruppe in Österreich im Durchschnitt monatlich braucht, etwa für Nahrung, Kleidung, Wohnen und Freizeit. Die Lebensverhältnisse der Eltern spielen dabei keine Rolle. Ein Rechtsmittelsenat des Landesgerichts für Zivilrechtssachen Wien legt die Werte jedes Jahr fest. Seit 2023 gelten sie jeweils für ein Kalenderjahr.

Der Regelbedarf ist kein gesetzlicher Mindestunterhalt und auch keine Obergrenze. Geschuldet ist der Unterhalt, der den Bedürfnissen des Kindes und der Leistungsfähigkeit des Elternteils entspricht, der Geldunterhalt zahlt (§ 231 ABGB).

  • Verdient der unterhaltspflichtige Elternteil wenig, kann der Unterhalt unter dem Regelbedarf liegen.
  • Verdient er gut, liegt der Unterhalt oft deutlich darüber.
  • Der Regelbedarf dient vor allem als Vergleichswert, etwa für die Obergrenze bei hohen Einkommen.

Die Regelbedarfssätze 2026

Die Werte gelten vom 1. Jänner bis 31. Dezember 2026.

Alter des Kindes 2025 2026 Erhöhung
0 bis 5 Jahre 350 € 360 € 10 €
6 bis 9 Jahre 440 € 460 € 20 €
10 bis 14 Jahre 540 € 560 € 20 €
15 bis 19 Jahre 670 € 700 € 30 €
ab 20 Jahren 770 € 800 € 30 €

Erreicht das Kind eine höhere Altersgruppe, gilt der höhere Satz schon ab dem Monat, in dem es 6, 10, 15 oder 20 Jahre alt wird.

So wird der Unterhalt berechnet

Der Regelbedarf allein ergibt noch keinen Unterhaltsbetrag. Gerichte berechnen den Kindesunterhalt meist nach der Prozentsatzmethode.

  1. Ermitteln Sie das durchschnittliche monatliche Nettoeinkommen des unterhaltspflichtigen Elternteils, einschließlich Urlaubs- und Weihnachtsgeld, auf zwölf Monate umgelegt.
  2. Wenden Sie den Prozentsatz für das Alter des Kindes an:
  • unter 6 Jahren 16 Prozent,
  • 6 bis 9 Jahre 18 Prozent,
  • 10 bis 14 Jahre 20 Prozent,
  • ab 15 Jahren 22 Prozent.
  1. Ziehen Sie für weitere Unterhaltspflichten Prozentpunkte ab, meist einen für jedes weitere Kind unter 10 Jahren, zwei für jedes weitere Kind ab 10 Jahren und bis zu drei für einen unterhaltsberechtigten Ehegatten.
  2. Prüfen Sie bei hohem Einkommen die Obergrenze. Nach der Rechtsprechung liegt sie meist beim Zwei- bis Zweieinhalbfachen des Regelbedarfs. Für ein zwölfjähriges Kind wären das 2026 etwa 1.120 bis 1.400 Euro im Monat.
  3. Achten Sie darauf, dass dem unterhaltspflichtigen Elternteil genug zum Leben bleibt. Auch das begrenzt den Unterhalt.

Ein Ergebnis unter dem Regelbedarf wird nicht automatisch auf den Tabellenwert angehoben. Eine erste Einschätzung gibt Ihnen der Unterhaltsrechner auf Zweiheim.at.

Tipp: Ein Unterhaltsbeschluss oder eine Vereinbarung mit einem festen Betrag ändert sich nicht von selbst, wenn die Regelbedarfssätze steigen oder das Kind älter wird. Wollen Sie eine Anpassung, müssen Sie sich neu einigen oder einen Antrag stellen.

Der Unterhaltsabsetzbetrag 2026

Kindesunterhalt kann man nicht direkt von der Steuer absetzen. Wer für ein Kind, das nicht in seinem Haushalt lebt, Unterhalt zahlt, kann aber den Unterhaltsabsetzbetrag bekommen. 2026 beträgt er pro Monat

  • 38 Euro für das erste Kind,
  • 56 Euro für das zweite Kind und
  • 75 Euro für das dritte und jedes weitere Kind.

Voraussetzung ist unter anderem, dass der Unterhalt vollständig und wie vereinbart oder festgesetzt gezahlt wurde. Den Absetzbetrag beantragen Sie für das vergangene Jahr in der Arbeitnehmerveranlagung.

Wann der Unterhalt anders ausfällt

Die Prozentsatzmethode ist nur der Ausgangspunkt. In einigen Situationen weicht der Unterhalt deutlich davon ab.

Hohes Einkommen

Ergibt die Prozentsatzmethode einen Betrag über dem Regelbedarf, gilt dieser höhere Betrag, bis zur Obergrenze beim Zwei- bis Zweieinhalbfachen des Regelbedarfs.

Niedriges Einkommen

Verdient der unterhaltspflichtige Elternteil wenig, kann der Unterhalt unter dem Regelbedarf liegen. Verdient er weniger, als er könnte, etwa weil er eine zumutbare Arbeit ablehnt, kann das Gericht ein höheres Einkommen annehmen. Das nennt man Anspannung.

Zahlt der Elternteil den festgesetzten Unterhalt nicht, kann der Staat mit einem Unterhaltsvorschuss einspringen. Mehr dazu lesen Sie im Artikel über den Unterhaltsvorschuss.

Mehr Betreuungszeit und Doppelresidenz

Betreut der unterhaltspflichtige Elternteil das Kind deutlich mehr als üblich, kann sich der Unterhalt verringern. Betreuen beide Eltern ungefähr gleich viel, bleibt oft nur ein Restbetrag gegen den Elternteil, der mehr verdient. Hier ist eine rechtliche Beratung besonders sinnvoll.

Sonderbedarf

Neben dem laufenden Unterhalt kann in Ausnahmefällen Sonderbedarf verlangt werden. Gemeint sind außergewöhnliche, dringende Kosten, die das Kind nicht aus dem laufenden Unterhalt bezahlen kann, etwa

  • eine medizinisch nötige Zahnspange,
  • außergewöhnliche Krankheitskosten oder Therapien und
  • Nachhilfe, wenn sie nötig und außergewöhnlich ist.

Übliche Schulkosten und Schulveranstaltungen gehören dagegen meist zum laufenden Unterhalt. Ob Sonderbedarf vorliegt, entscheidet im Streitfall das Gericht. Bewahren Sie die Rechnungen auf.

Was Sie jetzt tun können

  1. Vergleichen Sie den Unterhalt, den Sie zahlen oder bekommen, mit den aktuellen Einkommen und dem Alter des Kindes. Liegt er deutlich daneben, kann eine Anpassung sinnvoll sein.
  2. Vereinbaren Sie bei einer neuen Regelung eine Wertsicherung. Sonst verliert ein fester Betrag über die Jahre an Wert.
  3. Bewahren Sie Belege für außergewöhnliche Ausgaben auf.
  4. Besprechen Sie Geldfragen schriftlich und sachlich. Eine App wie Zweiheim.at hilft, Ausgaben nachvollziehbar festzuhalten.
  5. Nutzen Sie kostenlose Beratung, etwa bei der Kinder- und Jugendhilfe, in einer Familienberatungsstelle oder am Amtstag des Bezirksgerichts.

Die Regelbedarfssätze sind ein Orientierungswert. Wie viel Unterhalt im Einzelfall zusteht, hängt vom Einkommen, von weiteren Unterhaltspflichten, von der Betreuung und vom Bedarf des Kindes ab.

Häufig gestellte Fragen

Ab wann gelten die Regelbedarfssätze 2026?

Vom 1. Jänner bis 31. Dezember 2026. Seit 2023 gelten die Regelbedarfssätze jeweils für ein Kalenderjahr.

Wird mein Unterhalt automatisch angepasst, wenn die Sätze steigen?

Nein. Ein Beschluss oder eine Vereinbarung mit einem festen Betrag ändert sich nicht von selbst. Für eine Anpassung braucht es eine neue Einigung oder einen Antrag beim Bezirksgericht, außer die Regelung enthält eine Wertsicherung.

Was ändert sich, wenn mein Kind in eine höhere Altersgruppe kommt?

Ab diesem Monat gilt ein höherer Regelbedarf und bei der Prozentsatzmethode ein höherer Prozentsatz. Ein bestehender Beschluss mit festem Betrag ändert sich dadurch aber nicht automatisch. Der Altersgruppenwechsel kann ein Anlass sein, eine Erhöhung zu beantragen.

Gilt der Regelbedarf auch bei Doppelresidenz?

Er bleibt ein Vergleichswert. Bei ungefähr gleicher Betreuung werden aber die Einkommen beider Eltern und die tatsächliche Betreuung berücksichtigt. Oft bleibt nur ein Restbetrag gegen den Elternteil, der mehr verdient. Lassen Sie sich in diesem Fall beraten.

Kann ich zusätzlich Sonderbedarf verlangen?

In Ausnahmefällen ja, etwa für eine medizinisch nötige Zahnspange oder außergewöhnliche Krankheitskosten. Voraussetzung ist, dass die Kosten außergewöhnlich und dringend sind und nicht aus dem laufenden Unterhalt bezahlt werden können. Bewahren Sie die Belege auf.

Wo bekomme ich kostenlos Auskunft zum Unterhalt?

Bei der Kinder- und Jugendhilfe, die Kinder in Unterhaltsfragen auch vertreten kann, bei den vom Bund geförderten Familienberatungsstellen und am Amtstag des Bezirksgerichts. Allgemeine Informationen bietet auch oesterreich.gv.at.

Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen zur Rechtslage in Österreich und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Kostenlose Erstauskunft gibt es zum Beispiel beim Amtstag Ihres Bezirksgerichts oder bei einer Familienberatungsstelle.

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