Zahnspange: Wer zahlt bei getrennten Eltern?
Eine Zahnspange kann mehrere tausend Euro kosten. Für getrennte Eltern stellt sich dann schnell die Frage, wer das zahlt. Hier lesen Sie, wann Zahnspangenkosten als Sonderbedarf gelten, wer sie nach österreichischem Recht trägt, was die Krankenkasse übernimmt und wie Sie Streit darüber vermeiden.
Viele Kinder brauchen irgendwann eine kieferorthopädische Behandlung. Für das Kind ist das unangenehm genug. Streiten die Eltern zusätzlich über die Rechnung, wird es schnell zur Belastung für alle. Die gute Nachricht: Wer früh klärt, was die Kasse zahlt, und den anderen Elternteil rechtzeitig einbindet, kann den meisten Konflikten vorbeugen.
Hinweis: Dieser Artikel ist ein allgemeiner Überblick und keine Rechtsberatung. Mit konkreten Fragen wenden Sie sich an eine Anwältin oder einen Anwalt für Familienrecht oder an die Kinder- und Jugendhilfe, die Kinder in Unterhaltsfragen kostenlos unterstützt.
Zahnspangen als Sonderbedarf
Der laufende Kindesunterhalt deckt den gewöhnlichen Bedarf des Kindes, also Essen, Kleidung, Wohnen, Schule, Freizeit und normale Arztbesuche. Daneben gibt es den Sonderbedarf. Das sind außergewöhnliche Kosten, die bei der Berechnung des laufenden Unterhalts nicht berücksichtigt sind und die das Kind nicht aus dem laufenden Unterhalt bezahlen kann.
Eine medizinisch nötige Zahnspange gilt in der Rechtsprechung als typischer Sonderbedarf. Eine rein kosmetische Behandlung dagegen in der Regel nicht.
Sonderbedarf wird nur dann zusätzlich geschuldet, wenn der laufende Unterhalt dafür nicht reicht. Liegt der Unterhalt deutlich über dem Regelbedarf, kann ein Teil der Kosten schon daraus zu bezahlen sein.
Wer die Kosten trägt
Grundsätzlich trägt der Elternteil, der Geldunterhalt zahlt, auch den Sonderbedarf. Der Elternteil, bei dem das Kind lebt, leistet seinen Beitrag durch Betreuung und Versorgung im Alltag. So sieht es das Gesetz für den Unterhalt allgemein vor (§ 231 Abs. 2 ABGB), und die Gerichte wenden das auch auf Zahnregulierungen an.
Das gilt aber nicht grenzenlos:
- Der zahlende Elternteil muss den Sonderbedarf nur übernehmen, soweit ihm das nach seinem Einkommen und Vermögen zumutbar ist. Ihm muss genug zum Leben bleiben.
- Reicht seine Leistungsfähigkeit nicht aus, muss auch der betreuende Elternteil nach seinen Kräften beitragen.
- Verdient der betreuende Elternteil deutlich mehr, kann auch das die Aufteilung beeinflussen.
Wie viel jeder zahlt, entscheidet im Streitfall das Gericht nach den Umständen des Einzelfalls. Eine feste Formel gibt es nicht. Viele Eltern einigen sich deshalb auf eine Aufteilung, die zu ihren Einkommen passt, etwa im Verhältnis der Nettoeinkommen.
Was die Krankenkasse übernimmt
Bevor Sie über die Aufteilung reden, klären Sie, was die Krankenkasse zahlt. Das kann den Betrag, um den es geht, deutlich verringern.
Die Gratis-Zahnspange
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren mit einer schweren Zahn- oder Kieferfehlstellung bekommen eine festsitzende Zahnspange auf Kassenkosten. Voraussetzung ist eine Einstufung in die höchsten Schweregrade 4 oder 5 nach dem IOTN-Index und eine Behandlung bei einem Vertragspartner der Kasse. Ob Ihr Kind diese Grenze erreicht, beurteilt eine Kieferorthopädin oder ein Kieferorthopäde.
Leichtere Fehlstellungen
Bei leichteren Fehlstellungen tragen die Eltern die Kosten ganz oder zu einem großen Teil selbst. Die Österreichische Gesundheitskasse hat ihre Leistungen in diesem Bereich 2026 eingeschränkt. Welche Zuschüsse es gibt, hängt von der Kasse, der Art der Behandlung und dem Vertragsstatus der Praxis ab. Fragen Sie vor Behandlungsbeginn bei Ihrer Krankenkasse nach und lassen Sie sich einen Kostenvoranschlag geben.
| Situation | Was die Kasse zahlt | Was als Sonderbedarf offen bleibt |
|---|---|---|
| schwere Fehlstellung, IOTN 4 oder 5, Vertragspartner | die festsitzende Zahnspange | meist wenig, etwa Zusatzleistungen |
| leichtere Fehlstellung | je nach Kasse ein Zuschuss oder nichts | oft ein großer Teil der Kosten |
| rein kosmetische Behandlung | nichts | in der Regel kein Sonderbedarf |
Den anderen Elternteil einbinden
Der häufigste Auslöser für Streit ist eine Rechnung, von der der andere Elternteil vorher nichts wusste. Ob er formell zustimmen muss, hängt von der Obsorge und vom Einzelfall ab. Sicherer ist es in jedem Fall, ihn vor Behandlungsbeginn zu informieren und den Kostenvoranschlag zu schicken.
Wer das tut, nimmt ihm das Argument, die Behandlung sei unnötig oder zu teuer gewesen. Und er gibt ihm die Möglichkeit, eine zweite Meinung einzuholen oder ein günstigeres Angebot vorzuschlagen, solange noch nichts entschieden ist.
Tipp: Schicken Sie Befund, Kostenvoranschlag und Ihren Vorschlag zur Aufteilung schriftlich, etwa über die Nachrichten in Zweiheim.at. Dann ist später klar, wer wann was wusste, und die Belege liegen an einem Ort.
Schritt für Schritt
- Lassen Sie Ihr Kind kieferorthopädisch untersuchen und den Schweregrad einstufen.
- Klären Sie mit der Krankenkasse, ob die Gratis-Zahnspange oder ein Zuschuss infrage kommt.
- Holen Sie einen Kostenvoranschlag ein, bei hohen Privatkosten gern auch einen zweiten.
- Informieren Sie den anderen Elternteil schriftlich, mit Befund und Kostenvoranschlag.
- Einigen Sie sich, wer welchen Anteil zahlt und wann die Zahlungen fällig sind. Halten Sie das schriftlich fest.
- Bewahren Sie alle Rechnungen und Zahlungsbelege auf.
Wenn keine Einigung gelingt
Eine Mediation oder ein Gespräch bei einer Familienberatungsstelle hilft oft, eine Lösung zu finden, bevor es vor Gericht geht. Gelingt das nicht, kann der Sonderbedarf beim Bezirksgericht beantragt werden, im Namen des Kindes vom betreuenden Elternteil oder mit Unterstützung der Kinder- und Jugendhilfe. Das Gericht prüft dann, ob die Behandlung nötig war, ob die Kosten angemessen sind und wie viel dem zahlenden Elternteil zumutbar ist.
Ein Anwalt ist im Unterhaltsverfahren für ein minderjähriges Kind in erster Instanz nicht vorgeschrieben. Bei hohen Beträgen ist eine Beratung trotzdem sinnvoll.
Steuerliche Seite
Medizinisch nötige Zahnspangenkosten können unter Umständen als außergewöhnliche Belastung bei der Steuer geltend gemacht werden. Das gilt auch für den Elternteil, der sie als Sonderbedarf zahlt. Weil ein einkommensabhängiger Selbstbehalt abgezogen wird, wirkt sich das oft nur bei höheren Kosten aus. Klären Sie das im Zweifel mit Ihrer Steuerberatung.
Häufig gestellte Fragen
Muss der unterhaltspflichtige Elternteil die Zahnspange allein zahlen?
Grundsätzlich trägt er den Sonderbedarf, soweit ihm das nach seinem Einkommen zumutbar ist. Reicht seine Leistungsfähigkeit nicht aus, muss auch der betreuende Elternteil beitragen. Wie die Kosten im Einzelfall verteilt werden, entscheidet im Streitfall das Gericht.
Was passiert, wenn ich die Behandlung ohne Absprache beginne?
Der Anspruch auf Sonderbedarf fällt dadurch nicht automatisch weg. Sie riskieren aber Streit darüber, ob die Behandlung nötig und der Preis angemessen war. Informieren Sie den anderen Elternteil deshalb möglichst vorher, mit Befund und Kostenvoranschlag.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten vollständig?
Nur bei schweren Fehlstellungen. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren mit IOTN-Grad 4 oder 5 bekommen die festsitzende Zahnspange bei einem Vertragspartner auf Kassenkosten. Bei leichteren Fehlstellungen zahlen die Eltern einen großen Teil selbst. Fragen Sie vorher bei Ihrer Kasse nach.
Erhöht sich durch die Zahnspange der laufende Unterhalt?
Nein. Sonderbedarf wird zusätzlich zum laufenden Unterhalt verlangt, als einmaliger Betrag oder in Raten. Der monatliche Unterhalt bleibt gleich.
Ist Nachhilfe oder eine Brille auch Sonderbedarf?
Das hängt vom Einzelfall ab. Sonderbedarf sind nur außergewöhnliche Kosten, die nicht aus dem laufenden Unterhalt bezahlt werden können. Gewöhnliche Ausgaben für Schule und Gesundheit gehören meist zum laufenden Unterhalt.
Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen zur Rechtslage in Österreich und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Kostenlose Erstauskunft gibt es zum Beispiel beim Amtstag Ihres Bezirksgerichts oder bei einer Familienberatungsstelle.
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