Wie viel Unterhalt muss ich zahlen? Österreich 2026
Wie viel Unterhalt Sie für Ihr Kind zahlen müssen, hängt in Österreich vor allem von Ihrem Nettoeinkommen und dem Alter des Kindes ab. Hier lesen Sie, wie Gerichte den Kindesunterhalt berechnen, was zum Einkommen zählt, wie sich weitere Kinder und mehr Betreuungszeit auswirken und welche Steuervorteile es für Zahlende gibt.
Nach einer Trennung ist Geld oft eines der heikelsten Themen. Eine feste Tabelle mit fertigen Beträgen gibt es in Österreich nicht. Die Berechnung folgt aber einem klaren Schema, mit dem Sie den Unterhalt gut abschätzen können.
Hinweis: Dieser Artikel ist ein allgemeiner Überblick und keine Rechtsberatung. Mit konkreten Fragen wenden Sie sich an eine Anwältin oder einen Anwalt für Familienrecht oder an die Kinder- und Jugendhilfe, die Kinder in Unterhaltsfragen kostenlos unterstützt.
Die Grundlagen
Beide Eltern müssen nach ihren Kräften zum Unterhalt ihres Kindes beitragen (§ 231 ABGB). Der Elternteil, bei dem das Kind hauptsächlich lebt, leistet seinen Beitrag durch Betreuung und Versorgung im Alltag. Der andere zahlt Geldunterhalt.
Wie hoch dieser ist, hängt von zwei Dingen ab: vom Bedarf des Kindes und von der Leistungsfähigkeit des zahlenden Elternteils, also vor allem von seinem Einkommen.
Die Prozentsatzmethode
Gerichte berechnen den Kindesunterhalt meist nach der Prozentsatzmethode. Ausgangspunkt ist das durchschnittliche monatliche Nettoeinkommen des zahlenden Elternteils. Davon steht dem Kind je nach Alter ein bestimmter Prozentsatz zu.
| Alter des Kindes | Prozentsatz vom Nettoeinkommen |
|---|---|
| unter 6 Jahren | 16 % |
| 6 bis 9 Jahre | 18 % |
| 10 bis 14 Jahre | 20 % |
| ab 15 Jahren | 22 % |
Ein Beispiel: Ein Vater verdient im Durchschnitt 2.500 Euro netto im Monat, Sonderzahlungen eingerechnet. Er hat ein Kind, das acht Jahre alt ist, und keine weiteren Unterhaltspflichten. Der Unterhalt beträgt dann 18 Prozent, also 450 Euro im Monat.
Ein Ergebnis unter dem Regelbedarf, 2026 für dieses Alter 460 Euro, wird nicht automatisch angehoben. Der Regelbedarf ist kein Mindestunterhalt. Eine erste Einschätzung für Ihre Situation gibt der Unterhaltsrechner auf Zweiheim.at.
Was zum Einkommen zählt
Maßgeblich ist das Nettoeinkommen, meist der Durchschnitt des letzten Jahres. Dazu gehören
- das laufende Gehalt oder der Lohn,
- Urlaubs- und Weihnachtsgeld, auf zwölf Monate umgelegt,
- regelmäßige Überstunden, Zulagen, Prämien und Boni,
- Mieteinnahmen und andere regelmäßige Einkünfte und
- Arbeitslosengeld, Notstandshilfe oder Krankengeld.
Nicht dazu zählen die Familienbeihilfe, die dem Kind zugutekommt, und in der Regel das Pflegegeld, weil es einen pflegebedingten Mehraufwand abdeckt.
Bei Selbstständigen wird meist der Gewinn der letzten drei Jahre herangezogen. Mehr dazu lesen Sie im Artikel über Unterhalt bei Selbstständigkeit.
Weniger verdienen, als man könnte
Wer ohne guten Grund weniger arbeitet oder eine zumutbare Stelle ablehnt, kann sich damit nicht arm rechnen. Das Gericht kann dann ein Einkommen annehmen, das er zumutbar erzielen könnte. Das nennt man Anspannung. Ein guter Grund kann etwa eine Krankheit, die Betreuung eines kleinen Kindes oder die Pflege eines Angehörigen sein.
Mehrere Unterhaltspflichten
Hat der zahlende Elternteil weitere Kinder, die Unterhalt bekommen, wird der Prozentsatz gekürzt. Meist wird für jedes weitere Kind unter 10 Jahren ein Prozentpunkt abgezogen, für jedes weitere Kind ab 10 Jahren zwei. Für einen unterhaltsberechtigten Ehegatten werden bis zu drei Prozentpunkte abgezogen.
Ein Beispiel: Eine Mutter verdient 2.800 Euro netto und zahlt für zwei Kinder, die beim Vater leben. Das ältere ist neun, das jüngere vier.
- Für das neunjährige Kind gelten 18 Prozent minus einen Punkt für das jüngere Geschwister, also 17 Prozent oder 476 Euro.
- Für das vierjährige Kind gelten 16 Prozent minus einen Punkt für das ältere Geschwister, also 15 Prozent oder 420 Euro.
- Zusammen sind das 896 Euro im Monat.
Die Grenzen nach oben und unten
Bei hohem Einkommen wird der Unterhalt nach oben begrenzt, damit das Kind nicht über seine Bedürfnisse hinaus am Wohlstand eines Elternteils teilhat. Diese Grenze heißt oft Luxusgrenze oder Playboygrenze. Nach der Rechtsprechung liegt sie meist beim Zwei- bis Zweieinhalbfachen des Regelbedarfs. Für ein achtjähriges Kind wären das 2026 etwa 920 bis 1.150 Euro im Monat.
Nach unten ist der Unterhalt durch die eigene Existenz des zahlenden Elternteils begrenzt. Ihm muss genug zum Leben bleiben. Wie viel das ist, entscheidet das Gericht im Einzelfall.
Mehr Betreuungszeit und Doppelresidenz
Das übliche Kontaktrecht, etwa jedes zweite Wochenende und einige Wochen in den Ferien, verringert den Unterhalt nicht. Betreut der zahlende Elternteil das Kind zusätzlich, kürzen Gerichte den Unterhalt häufig um etwa 10 Prozent für jeden zusätzlichen Betreuungstag pro Woche. Voraussetzung ist, dass der andere Elternteil dadurch tatsächlich spürbar weniger ausgibt.
Betreuen beide Eltern ungefähr gleich viel und tragen beide die Kosten, fällt der Unterhalt deutlich niedriger aus oder ganz weg. Verdient ein Elternteil erheblich mehr, zahlt er meist einen Restbetrag. Ein Wechselmodell heißt also nicht automatisch, dass kein Unterhalt mehr fließt.
Tipp: Halten Sie Betreuungstage und Ausgaben für das Kind laufend fest, etwa im Kalender und in der Ausgabenliste von Zweiheim.at. Wenn es später um eine Anpassung des Unterhalts geht, haben Sie dann Belege statt Erinnerungen.
Sonderbedarf
Der laufende Unterhalt deckt den gewöhnlichen Bedarf des Kindes, also Essen, Kleidung, Wohnen, Schule und Freizeit. Daneben kann in Ausnahmefällen Sonderbedarf verlangt werden. Das sind außergewöhnliche und dringende Kosten, die nicht aus dem laufenden Unterhalt bezahlt werden können, etwa eine medizinisch nötige Zahnspange, außergewöhnliche Krankheitskosten oder eine Therapie.
Übliche Schulkosten und Schulveranstaltungen gehören meist zum laufenden Unterhalt. Ob und wie viel der zahlende Elternteil zusätzlich übernehmen muss, hängt von seinem Einkommen und vom Einzelfall ab.
Steuervorteile für Zahlende
Kindesunterhalt lässt sich nicht als Ausgabe von der Steuer absetzen. Wer Unterhalt für ein Kind zahlt, das nicht in seinem Haushalt lebt, kann aber den Unterhaltsabsetzbetrag bekommen. 2026 beträgt er pro Monat 38 Euro für das erste Kind, 56 Euro für das zweite und 75 Euro für jedes weitere. Er wird nicht automatisch berücksichtigt. Sie beantragen ihn in der Arbeitnehmerveranlagung oder der Steuererklärung.
Wer den Unterhaltsabsetzbetrag bekommt, kann auch den Familienbonus Plus ganz oder zur Hälfte beanspruchen. Er ist mit dem Elternteil zu teilen, der die Familienbeihilfe bezieht. Sprechen Sie die Aufteilung ab, damit es beim Finanzamt keine Überraschungen gibt. Mehr dazu lesen Sie im Artikel über Unterhalt und Steuer.
Wenn sich etwas ändert
Ein festgesetzter Unterhalt bleibt gleich, bis sich die Eltern neu einigen oder ein Gericht ihn ändert. Steigt oder sinkt das Einkommen deutlich, kommt ein weiteres Kind dazu oder erreicht das Kind eine höhere Altersgruppe, kann eine Anpassung sinnvoll sein.
Kindesunterhalt kann in der Regel bis zu drei Jahre rückwirkend verlangt werden (§ 1480 ABGB). Auch eine Herabsetzung kann rückwirkend festgesetzt werden. Bereits gezahlter Unterhalt wird aber meist nicht zurückgezahlt. Wer weniger zahlen will, sollte deshalb rasch einen Antrag stellen.
Zahlt der Elternteil den festgesetzten Unterhalt nicht, kann für ein minderjähriges Kind ein Unterhaltsvorschuss beantragt werden. Er beträgt 2026 höchstens 855,16 Euro im Monat.
Wie lange Unterhalt zu zahlen ist
Die Pflicht endet nicht mit dem 18. Geburtstag, sondern wenn das Kind selbsterhaltungsfähig ist, also von seinem eigenen Einkommen angemessen leben kann. Als Orientierung dient der Ausgleichszulagenrichtsatz, 2026 sind das 1.308,39 Euro im Monat. Während einer Lehre mit niedriger Lehrlingsentschädigung oder eines zielstrebig betriebenen Studiums besteht der Anspruch meist weiter. Ab der Volljährigkeit wird der Prozentsatz grundsätzlich weiter angewendet, eigenes Einkommen des Kindes wird aber angerechnet.
So gehen Sie vor
- Stellen Sie das Nettoeinkommen der letzten zwölf Monate zusammen, mit Sonderzahlungen, Überstunden und Nebeneinkünften.
- Rechnen Sie mit der Prozentsatzmethode eine erste Schätzung aus.
- Versuchen Sie, sich zu einigen, auch mit Hilfe einer Mediation oder der Kinder- und Jugendhilfe.
- Halten Sie die Einigung so fest, dass sie durchsetzbar ist, also vor Gericht oder vor der Kinder- und Jugendhilfe. Eine rein private Vereinbarung kann nicht direkt vollstreckt werden.
- Beantragen Sie als Zahlende oder Zahlender den Unterhaltsabsetzbetrag und klären Sie den Familienbonus Plus.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel Unterhalt muss ich zahlen, wenn ich Teilzeit arbeite?
Grundsätzlich zählt das tatsächliche Einkommen. Haben Sie Ihre Arbeitszeit ohne guten Grund reduziert, kann das Gericht aber ein höheres Einkommen annehmen. Gute Gründe wie die Betreuung eines kleinen Kindes oder gesundheitliche Einschränkungen sollten Sie belegen können.
Kann der Unterhalt rückwirkend geändert werden?
Ja. Eine Erhöhung kann in der Regel bis zu drei Jahre rückwirkend verlangt werden. Auch eine Herabsetzung ist rückwirkend möglich, bereits gezahlter Unterhalt wird aber meist nicht erstattet. Handeln Sie deshalb rasch, wenn sich Ihr Einkommen deutlich ändert.
Was passiert, wenn ich den Unterhalt nicht zahlen kann?
Hören Sie nicht einfach auf zu zahlen. Informieren Sie den anderen Elternteil und beantragen Sie beim Bezirksgericht eine Herabsetzung, wenn Ihr Einkommen gesunken ist. Unbezahlter Unterhalt kann durch Exekution eingetrieben werden, und Rückstände bleiben bestehen.
Muss ich Unterhalt zahlen, wenn das Kind bei mir lebt?
Nein. Wenn das Kind hauptsächlich bei Ihnen lebt, leisten Sie Ihren Beitrag durch Betreuung. Geldunterhalt zahlt der andere Elternteil. Bei ungefähr gleicher Betreuung kann der Elternteil mit dem deutlich höheren Einkommen einen Restbetrag schulden.
Kann ich den Unterhalt ohne Gericht vereinbaren?
Ja, und eine Einigung ist oft die bessere Lösung. Damit sie im Streitfall durchgesetzt werden kann, schließen Sie sie vor dem Bezirksgericht oder vor der Kinder- und Jugendhilfe. Ein Verzicht auf Kindesunterhalt zulasten des Kindes ist nicht wirksam.
Gilt die Prozentsatzmethode auch für volljährige Kinder?
Ja, solange das Kind nicht selbsterhaltungsfähig ist. Eigenes Einkommen des Kindes, etwa aus einem Nebenjob oder einer Lehre, wird aber angerechnet. Ab der Volljährigkeit macht das Kind seinen Unterhalt selbst geltend.
Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen zur Rechtslage in Österreich und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Kostenlose Erstauskunft gibt es zum Beispiel beim Amtstag Ihres Bezirksgerichts oder bei einer Familienberatungsstelle.
Ihr nächster Schritt
Was bedeutet das für Ihre Familie?
Rechnen Sie es in einer Minute aus. Mit Zweiheim planen Sie danach Betreuung, Absprachen und Ausgaben gemeinsam mit dem anderen Elternteil, kostenlos und ohne Kreditkarte.
Kostenlos registrierenSchnellrechner
Wie viel Unterhalt ist üblich?
Ohne 13. und 14. Gehalt. Die rechnen wir anteilig dazu.
Geben Sie ein Einkommen ein. Das Ergebnis erscheint sofort, ohne Anmeldung und ohne dass etwas gespeichert wird.
Orientierung nach der Prozentsatzmethode. Keine Rechtsberatung.
