Eheringe auf einer unterschriebenen Heiratsurkunde
Foto: Edu Raw
Recht & Finanzen28. Juni 20266 Min. Lesezeit

Unterhalt und Wiederheirat in Österreich

Was passiert mit dem Unterhalt, wenn nach einer Scheidung einer der beiden wieder heiratet? Die Antwort hängt davon ab, wer heiratet und um welchen Unterhalt es geht. Hier lesen Sie, wann der Ehegattenunterhalt endet, was eine Lebensgemeinschaft bewirkt und warum der Kindesunterhalt davon weitgehend unberührt bleibt.

Hinweis: Dieser Artikel ist ein allgemeiner Überblick und keine Rechtsberatung. Mit konkreten Fragen wenden Sie sich an eine Anwältin oder einen Anwalt für Familienrecht oder an eine Familienberatungsstelle.

Zwei Arten von Unterhalt

Bevor es um die Wiederheirat geht, hilft eine Unterscheidung, die im Alltag oft durcheinandergerät:

  • Ehegattenunterhalt zahlt ein früherer Ehepartner an den anderen. Er hat seinen Grund in der früheren Ehe.
  • Kindesunterhalt zahlt ein Elternteil für das gemeinsame Kind. Er hat seinen Grund in der Elternschaft.

Auf eine neue Ehe reagieren die beiden ganz unterschiedlich.

Ehegattenunterhalt

Für den Ehegattenunterhalt kommt es darauf an, wer von beiden wieder heiratet.

Wenn die berechtigte Person wieder heiratet

Heiratet der frühere Ehepartner, der Unterhalt bekommt, oder geht er eine eingetragene Partnerschaft ein, erlischt die Unterhaltspflicht (§ 75 EheG). Dafür braucht es weder einen Antrag noch einen Beschluss.

Das Gesetz sieht nicht vor, dass der Anspruch wieder auflebt, wenn die neue Ehe später geschieden wird. Wer Unterhalt bekommt, sollte das vor einer neuen Heirat bedenken.

Das gilt nach der Rechtsprechung grundsätzlich auch für vertraglich vereinbarten Unterhalt, etwa aus einem Scheidungsvergleich, außer die Eheleute haben ausdrücklich etwas anderes vereinbart. Lassen Sie den Wortlaut Ihres Vergleichs im Zweifel prüfen.

Tipp: Wenn Sie Unterhalt zahlen und von der Heirat Ihres früheren Ehepartners erfahren, lassen Sie sich die Heirat belegen, etwa durch die Heiratsurkunde, bevor Sie die Zahlungen einstellen. Bei einem gerichtlichen Titel ist es sinnvoll, die Einstellung auch gerichtlich festhalten zu lassen.

Wenn die verpflichtete Person wieder heiratet

Heiratet der frühere Ehepartner, der Unterhalt zahlt, bleibt seine Pflicht bestehen. Muss er auch für den neuen Ehepartner sorgen, kann das bei der Höhe des Unterhalts eine Rolle spielen. Das Gericht prüft dann, wie viel er leisten kann.

Lebensgemeinschaft ohne Trauschein

Zieht die berechtigte Person mit einem neuen Partner zusammen, ohne zu heiraten, erlischt der Unterhalt nicht. Nach der Rechtsprechung ruht der Anspruch aber in der Regel, solange die Lebensgemeinschaft besteht. Endet sie, kann der Anspruch wieder geltend gemacht werden.

Ob eine Lebensgemeinschaft vorliegt, ist nicht immer eindeutig. Es kommt auf das Gesamtbild an, etwa ob die beiden zusammen wohnen, gemeinsam wirtschaften und wie Partner miteinander leben. Im Streitfall entscheidet das Gericht.

Überblick

Situation Folge für den Ehegattenunterhalt
berechtigte Person heiratet oder geht eine eingetragene Partnerschaft ein erlischt
neue Ehe der berechtigten Person wird geschieden lebt nach dem Gesetz nicht wieder auf
berechtigte Person lebt in einer Lebensgemeinschaft ruht in der Regel, solange sie besteht
verpflichtete Person heiratet bleibt bestehen, die Höhe kann sich ändern
Scheidungsvergleich mit eigener Regelung Wortlaut des Vergleichs prüfen lassen

Wie hoch Ehegattenunterhalt ist

Eine gesetzliche Formel gibt es nicht. Gerichte orientieren sich bei verschuldensabhängigem Unterhalt meist an diesen Richtwerten:

  • Hat die berechtigte Person kein eigenes Einkommen, bekommt sie etwa 33 Prozent des Nettoeinkommens des anderen.
  • Verdienen beide, bekommt die berechtigte Person etwa 40 Prozent des gemeinsamen Nettoeinkommens, abzüglich ihres eigenen Einkommens.
  • Für Kinder, denen der Zahlende Unterhalt leistet, werden Prozentpunkte abgezogen.

Ein Beispiel ohne Kinder: Verdient der zahlende Ex-Partner 3.000 Euro netto und die berechtigte Person nichts, ergeben 33 Prozent rund 990 Euro im Monat. Dieser Betrag fiele mit einer neuen Heirat der berechtigten Person weg.

Unterhalt nach Billigkeit, den das Gericht etwa trotz gleichteiligen Verschuldens zusprechen kann, fällt meist deutlich niedriger aus.

Kindesunterhalt

Der Kindesunterhalt hängt nicht davon ab, ob ein Elternteil wieder heiratet. Das Kind behält seinen Anspruch gegen beide Eltern (§ 231 ABGB).

Wenn der zahlende Elternteil wieder heiratet

Die Pflicht gegenüber dem Kind bleibt. Muss er für einen neuen Ehepartner Unterhalt leisten, weil dieser wenig oder nichts verdient, können bei der Berechnung des Kindesunterhalts bis zu drei Prozentpunkte abgezogen werden. Bekommt er weitere Kinder, wird für jedes ebenfalls ein Abzug berücksichtigt, meist ein Prozentpunkt für ein Kind unter 10 Jahren und zwei ab 10 Jahren.

Wenn der betreuende Elternteil wieder heiratet

Heiratet der Elternteil, bei dem das Kind lebt, ändert das an der Unterhaltspflicht des anderen Elternteils nichts. Ein Stiefelternteil ist dem Kind gegenüber nicht unterhaltspflichtig. Das ändert sich nur durch eine Adoption.

Was Sie tun können

  1. Klären Sie, welcher Unterhalt betroffen ist. Eine neue Heirat beendet höchstens den Ehegattenunterhalt, nie die Pflicht gegenüber dem Kind.
  2. Lassen Sie Ihren Scheidungsvergleich prüfen, wenn er eigene Regeln zum Unterhalt enthält.
  3. Belegen Sie eine Heirat mit Urkunden, bevor Sie Zahlungen einstellen, und lassen Sie die Änderung bei einem gerichtlichen Titel festhalten.
  4. Prüfen Sie bei einer neuen Lebensgemeinschaft der berechtigten Person, ob der Anspruch ruht, und lassen Sie sich beraten, bevor Sie eigenmächtig handeln.
  5. Prüfen Sie bei neuen Unterhaltspflichten, ob sich der Kindesunterhalt ändert. Eine Anpassung gibt es nur durch Einigung oder Beschluss.

Eine App wie Zweiheim.at hilft, Zahlungen und Absprachen rund um das Kind nachvollziehbar festzuhalten.

Häufig gestellte Fragen

Endet der Unterhalt sofort, wenn mein Ex-Partner heiratet?

Der Ehegattenunterhalt erlischt mit der Heirat der Person, die ihn bekommt (§ 75 EheG). Heiratet die Person, die zahlt, endet er dadurch nicht. Der Kindesunterhalt bleibt in beiden Fällen bestehen.

Lebt der Anspruch wieder auf, wenn die neue Ehe geschieden wird?

Nach dem Gesetz nicht. Ist der Ehegattenunterhalt durch eine neue Heirat erloschen, bleibt er erloschen, auch wenn die neue Ehe später endet.

Was passiert mit dem Kindesunterhalt, wenn der andere Elternteil wieder heiratet?

Er bleibt bestehen. Muss der zahlende Elternteil für einen neuen Ehepartner sorgen, können bei der Berechnung bis zu drei Prozentpunkte abgezogen werden. Das gilt aber erst, wenn der Unterhalt durch Einigung oder Beschluss neu festgesetzt wird.

Ist eine Lebensgemeinschaft dasselbe wie eine Heirat?

Nein. Eine Lebensgemeinschaft beendet den Ehegattenunterhalt nicht. Nach der Rechtsprechung ruht der Anspruch aber in der Regel, solange sie besteht. Endet sie, kann er wieder geltend gemacht werden.

Muss mein neuer Ehepartner für mein Kind Unterhalt zahlen?

Nein. Ein Stiefelternteil ist dem Kind gegenüber nicht unterhaltspflichtig, außer er adoptiert das Kind.

Was sollte ich vor meiner eigenen neuen Heirat prüfen?

Bekommen Sie Ehegattenunterhalt, erlischt er mit der Heirat, und er lebt auch später nicht wieder auf. Lassen Sie vorher prüfen, was Ihr Scheidungsvergleich regelt und welche Folgen die Heirat für Sie hat.

Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen zur Rechtslage in Österreich und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Kostenlose Erstauskunft gibt es zum Beispiel beim Amtstag Ihres Bezirksgerichts oder bei einer Familienberatungsstelle.

Ihr nächster Schritt

Was bedeutet das für Ihre Familie?

Rechnen Sie es in einer Minute aus. Mit Zweiheim planen Sie danach Betreuung, Absprachen und Ausgaben gemeinsam mit dem anderen Elternteil, kostenlos und ohne Kreditkarte.

Kostenlos registrieren

Schnellrechner

Wie viel Unterhalt ist üblich?

€ / Monat

Ohne 13. und 14. Gehalt. Die rechnen wir anteilig dazu.

Alter des Kindes

Geben Sie ein Einkommen ein. Das Ergebnis erscheint sofort, ohne Anmeldung und ohne dass etwas gespeichert wird.

Genau berechnen, mit Betreuungstagen

Orientierung nach der Prozentsatzmethode. Keine Rechtsberatung.