Unterhalt steuerlich absetzen in Österreich 2026
Kindesunterhalt kann man in Österreich nicht wie eine Ausgabe von der Steuer absetzen. Wer Unterhalt zahlt, bekommt aber den Unterhaltsabsetzbetrag und unter Umständen einen Teil des Familienbonus Plus. Hier lesen Sie, welche Beträge 2026 gelten, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, wie Sie den Absetzbetrag beantragen und was zusätzlich absetzbar sein kann.
Hinweis: Dieser Artikel ist ein allgemeiner Überblick und keine Steuer- oder Rechtsberatung. Mit konkreten Fragen wenden Sie sich an Ihr Finanzamt, an eine Steuerberatung oder als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer an die Steuerberatung der Arbeiterkammer.
Der Unterhaltsabsetzbetrag
Der Unterhaltsabsetzbetrag ist die wichtigste steuerliche Entlastung für Eltern, die Kindesunterhalt zahlen. Er ist ein Absetzbetrag. Er verringert also nicht das zu versteuernde Einkommen, sondern direkt die Steuer, die Sie zahlen müssen.
Die Beträge
Seit 2023 werden die Beträge jedes Jahr an die Inflation angepasst. Pro Monat gelten
| Kind | 2025 | 2026 |
|---|---|---|
| erstes Kind | 37 € | 38 € |
| zweites Kind | 55 € | 56 € |
| drittes und jedes weitere Kind | 73 € | 75 € |
Zahlen Sie 2026 das ganze Jahr für zwei Kinder den vollen Unterhalt, sind das 12 mal 38 Euro plus 12 mal 56 Euro, zusammen 1.128 Euro weniger Steuer.
Der Absetzbetrag kann Ihre Steuer aber nur verringern, wenn Sie welche zahlen. Haben Sie wenig oder gar kein steuerpflichtiges Einkommen, etwa weil Sie das ganze Jahr Arbeitslosengeld bezogen haben, wirkt er sich entsprechend weniger oder gar nicht aus.
Die Voraussetzungen
Den Unterhaltsabsetzbetrag bekommen Sie, wenn
- das Kind nicht in Ihrem Haushalt lebt,
- weder Sie noch Ihre Partnerin oder Ihr Partner im gemeinsamen Haushalt für dieses Kind Familienbeihilfe bekommen,
- Sie den gesetzlichen Unterhalt nachweislich zahlen und
- das Kind in Österreich, einem anderen EU- oder EWR-Staat oder der Schweiz lebt.
Für ein volljähriges Kind, für das keine Familienbeihilfe mehr ausbezahlt wird, gibt es keinen Unterhaltsabsetzbetrag.
Den vollen Betrag gibt es nur, wenn Sie den Unterhalt in vollem Umfang zahlen. Zahlen Sie nur einen Teil, wird der Absetzbetrag entsprechend gekürzt. Gibt es einen Gerichtsbeschluss oder eine schriftliche Vereinbarung, ist der darin festgelegte Betrag maßgeblich. Gibt es keine, orientiert sich das Finanzamt in der Regel an den Regelbedarfssätzen.
Tipp: Überweisen Sie den Unterhalt und zahlen Sie ihn nicht bar. Kontoauszüge sind der einfachste Nachweis, wenn das Finanzamt nachfragt.
So beantragen Sie den Absetzbetrag
Der Unterhaltsabsetzbetrag wird nicht automatisch berücksichtigt. Sie bekommen ihn erst im Nachhinein über die Arbeitnehmerveranlagung oder die Einkommensteuererklärung.
- Sammeln Sie die Nachweise über Ihre Zahlungen für das ganze Jahr.
- Halten Sie den Gerichtsbeschluss oder die Unterhaltsvereinbarung bereit, falls das Finanzamt danach fragt.
- Füllen Sie das Formular L1k aus, die Beilage für Kinder. Für jedes Kind brauchen Sie eine eigene Beilage.
- Reichen Sie die Arbeitnehmerveranlagung ein, am einfachsten über FinanzOnline.
- Haben Sie den Absetzbetrag in früheren Jahren vergessen, holen Sie ihn nach. Die Arbeitnehmerveranlagung können Sie bis zu fünf Jahre rückwirkend beantragen, 2026 also noch für 2021 bis 2025.
Den Absetzbetrag müssen Sie jedes Jahr neu beantragen.
Der Familienbonus Plus
Der Familienbonus Plus verringert die Steuer für ein Kind unter 18 Jahren um bis zu 2.000,16 Euro im Jahr, also 166,68 Euro im Monat. Bei getrennten Eltern können ihn der Elternteil, der die Familienbeihilfe bekommt, und der Elternteil, der Unterhalt zahlt, beantragen.
- Jeder kann den ganzen Betrag oder die Hälfte beantragen.
- Beantragen beide den ganzen Betrag, bekommt jeder die Hälfte.
- Der zahlende Elternteil bekommt ihn nur für die Monate, in denen er den Unterhalt voll zahlt und ihm der Unterhaltsabsetzbetrag zusteht. Zahlt er gar keinen Unterhalt, bekommt er auch keinen Familienbonus Plus.
Welche Aufteilung sich für Sie beide lohnt, hängt davon ab, wie viel Steuer jeder zahlt. Rechnen Sie die Varianten durch oder lassen Sie sich beraten, und sprechen Sie sich mit dem anderen Elternteil ab.
Was nicht absetzbar ist und was doch
Der Kindesunterhalt selbst ist keine außergewöhnliche Belastung. Er ist mit dem Unterhaltsabsetzbetrag abgegolten. Auch Unterhalt an einen früheren Ehepartner ist steuerlich in der Regel nicht absetzbar.
Absetzbar sein können aber Ausgaben, die beim Kind selbst eine außergewöhnliche Belastung wären und die Sie tatsächlich bezahlt haben, etwa
- Krankheitskosten, die nicht von der Versicherung ersetzt werden, und
- Mehrkosten wegen einer Behinderung des Kindes.
Lebt das Kind außerhalb der EU, des EWR und der Schweiz, gibt es keinen Unterhaltsabsetzbetrag. Dann kann der Unterhalt zur Hälfte als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden, soweit er angemessen ist.
Häufige Fehler
- Sie können die Zahlungen nicht nachweisen, weil Sie bar gezahlt haben.
- Sie zahlen weniger als festgesetzt und wundern sich über einen gekürzten Absetzbetrag.
- Beide Eltern beantragen den vollen Familienbonus Plus, ohne sich abzusprechen, und rechnen mit einem anderen Ergebnis.
- Sie vergessen die Arbeitnehmerveranlagung und verschenken damit Geld, obwohl sie fünf Jahre rückwirkend möglich wäre.
Was jetzt hilft
- Überweisen Sie den Unterhalt jeden Monat und legen Sie die Belege ab.
- Beantragen Sie den Unterhaltsabsetzbetrag jedes Jahr mit dem Formular L1k.
- Sprechen Sie mit dem anderen Elternteil über die Aufteilung des Familienbonus Plus.
- Prüfen Sie, ob Sie Veranlagungen für frühere Jahre nachholen können.
- Halten Sie Zahlungen und Ausgaben für das Kind nachvollziehbar fest. Eine App wie Zweiheim.at hilft dabei.
Häufig gestellte Fragen
Bekomme ich den Unterhaltsabsetzbetrag auch ohne Gerichtsbeschluss?
Ja, wenn Sie den gesetzlichen Unterhalt nachweislich zahlen. Gibt es einen Beschluss oder eine schriftliche Vereinbarung, zählt der darin festgelegte Betrag. Gibt es keine, orientiert sich das Finanzamt in der Regel an den Regelbedarfssätzen. Eine schriftliche Vereinbarung erleichtert den Nachweis.
Was passiert, wenn ich in einem Jahr nicht den vollen Unterhalt zahle?
Dann wird der Unterhaltsabsetzbetrag entsprechend gekürzt. Auch den Familienbonus Plus bekommen Sie nur für die Monate, in denen Sie voll gezahlt haben. Wenn Sie weniger zahlen können, beantragen Sie besser eine Herabsetzung beim Bezirksgericht, statt einfach weniger zu überweisen.
Können beide Eltern den Familienbonus Plus bekommen?
Ja. Jeder kann die Hälfte beantragen. Beantragen beide den ganzen Betrag, bekommt jeder die Hälfte. Der zahlende Elternteil muss dafür den Unterhalt voll zahlen.
Wie weit rückwirkend kann ich den Unterhaltsabsetzbetrag beantragen?
Über die Arbeitnehmerveranlagung bis zu fünf Jahre. 2026 können Sie also noch die Jahre 2021 bis 2025 nachholen, wenn Sie in diesen Jahren Unterhalt gezahlt haben und das nachweisen können.
Bringt der Absetzbetrag etwas, wenn ich wenig verdiene?
Er verringert nur die Steuer, die Sie tatsächlich zahlen. Zahlen Sie wenig oder gar keine Steuer, wirkt er sich entsprechend weniger oder gar nicht aus. Die Arbeitnehmerveranlagung kann sich trotzdem lohnen, weil Sie aus anderen Gründen Geld zurückbekommen können.
Kann ich den Unterhalt an meinen Ex-Partner absetzen?
In der Regel nicht. Unterhalt an einen früheren Ehepartner ist steuerlich nicht absetzbar. Der Unterhaltsabsetzbetrag gilt nur für Kindesunterhalt.
Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen zur Rechtslage in Österreich und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Kostenlose Erstauskunft gibt es zum Beispiel beim Amtstag Ihres Bezirksgerichts oder bei einer Familienberatungsstelle.
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