Paar im Beratungsgespräch
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Recht & Finanzen4. Juni 20266 Min. Lesezeit

Kindesunterhalt für Selbstständige in Österreich berechnen

Bei Angestellten zeigt der Lohnzettel, wie viel sie verdienen. Bei Selbstständigen ist die Frage, welches Einkommen für den Kindesunterhalt zählt, deutlich schwieriger. Hier lesen Sie, wie Gerichte in Österreich das Einkommen von Selbstständigen ermitteln, wie sie mit schwankenden Einnahmen umgehen, welche Unterlagen Sie brauchen und was Sie beim Unterhalt beachten sollten.

Hinweis: Dieser Artikel ist ein allgemeiner Überblick und keine Rechtsberatung. Mit konkreten Fragen wenden Sie sich an eine Anwältin oder einen Anwalt für Familienrecht oder an die Kinder- und Jugendhilfe. Für die Zahlen aus der Buchhaltung ist zusätzlich Ihre Steuerberatung hilfreich.

Welches Einkommen zählt

Ausgangspunkt ist der Gewinn laut Einkommensteuerbescheid. Er wird für den Unterhalt aber nicht einfach übernommen. Gerichte wollen wissen, wie viel tatsächlich zum Leben zur Verfügung steht. Das unterhaltsrechtliche Einkommen kann deshalb vom steuerlichen Gewinn abweichen.

Vom Gewinn abgezogen werden die Einkommensteuer, die für das Jahr tatsächlich anfällt. Die Beiträge zur Sozialversicherung der Selbständigen sind steuerlich Betriebsausgaben und haben den Gewinn schon verringert.

Was oft korrigiert wird

Wieder hinzugerechnet werden in der Regel

  • private Ausgaben, die als Betriebsausgaben verbucht wurden, etwa der private Anteil am Auto oder am Handy,
  • Ausgaben, die für den Betrieb nicht nötig sind, und
  • rein steuerlich motivierte Abzüge, denen kein tatsächlicher Wertverlust oder Geldabfluss gegenübersteht, etwa eine beschleunigte Abschreibung.

Anerkannt werden Ausgaben, die der Betrieb tatsächlich braucht, etwa die Miete für das Büro oder ein Fahrzeug, das beruflich genutzt wird.

Entnimmt jemand dauerhaft deutlich mehr aus dem Betrieb, als der Gewinn ausweist, und finanziert das nicht aus Krediten oder Ersparnissen, können Gerichte auch die Privatentnahmen heranziehen. Sie zeigen, wovon jemand tatsächlich lebt.

Tipp: Versuchen Sie nicht, das Einkommen über Buchhaltungstricks kleinzurechnen. Gerichte und Sachverständige kennen solche Muster. Wer nicht offen mitwirkt, riskiert, dass das Gericht das Einkommen schätzt.

So wird der Unterhalt berechnet

Auch bei Selbstständigen gilt meist die Prozentsatzmethode. Vom durchschnittlichen monatlichen Nettoeinkommen steht dem Kind je nach Alter ein Prozentsatz zu:

Alter des Kindes Prozentsatz
unter 6 Jahren 16 %
6 bis 9 Jahre 18 %
10 bis 14 Jahre 20 %
ab 15 Jahren 22 %

Für weitere Unterhaltspflichten werden Prozentpunkte abgezogen. Bei hohen Einkommen liegt die Obergrenze meist beim Zwei- bis Zweieinhalbfachen des Regelbedarfs. Dem zahlenden Elternteil muss außerdem genug zum Leben bleiben.

Ein Beispiel

Eine selbstständige Grafikerin hat laut Steuerbescheid 40.000 Euro Gewinn im Jahr. Darin sind 2.000 Euro für den privaten Anteil an Auto und Handy als Betriebsausgaben verbucht. Bereinigt sind das 42.000 Euro. Angenommen, für dieses Jahr fallen 7.000 Euro Einkommensteuer an, bleiben 35.000 Euro, also rund 2.917 Euro im Monat. Für ihr achtjähriges Kind ergeben 18 Prozent davon rund 525 Euro im Monat.

Das Beispiel ist vereinfacht. Es berücksichtigt keine weiteren Unterhaltspflichten und keine Schwankungen zwischen den Jahren.

Schwankende Einnahmen

Selbstständige haben selten jedes Jahr dasselbe Einkommen. Gerichte ziehen deshalb in der Regel den Durchschnitt der letzten drei abgeschlossenen Wirtschaftsjahre heran. So gleichen sich gute und schwache Jahre aus.

Ein Beispiel: Ein selbstständiger Tischler hatte in den letzten drei Jahren ein bereinigtes Nettoeinkommen von 28.000, 36.000 und 41.000 Euro. Der Durchschnitt beträgt 35.000 Euro im Jahr, also rund 2.917 Euro im Monat. Davon wird der Unterhalt berechnet.

Hat sich das Geschäft dauerhaft verändert, etwa durch den Verlust eines großen Kunden oder eine deutliche Ausweitung, kann das Gericht vom Durchschnitt abweichen. Dann kommt es darauf an, wie gut sich die Entwicklung belegen lässt.

Welche Unterlagen Sie brauchen

Im Unterhaltsverfahren müssen Selbstständige ihr Einkommen offenlegen (§ 102 AußStrG). Halten Sie diese Unterlagen für die letzten drei Jahre bereit:

  • Einkommensteuerbescheide und Einkommensteuererklärungen,
  • Einnahmen-Ausgaben-Rechnungen oder Bilanzen,
  • aktuelle Zahlen für das laufende Jahr,
  • Kontoauszüge des Geschäfts- und Privatkontos,
  • Vorschreibungen der Sozialversicherung der Selbständigen und
  • Belege für größere Betriebsausgaben und Investitionen.

Ist das Einkommen schwer zu durchschauen, kann das Gericht einen Sachverständigen für Buchhaltung beiziehen. Das kostet Zeit und Geld, das meist die Parteien tragen. Gut aufbereitete Unterlagen ersparen das oft.

So gehen Sie vor

  1. Stellen Sie die Steuerbescheide und Abschlüsse der letzten drei Jahre zusammen.
  2. Gehen Sie mit Ihrer Steuerberatung durch, welche Ausgaben privat veranlasst sind oder rein steuerliche Gründe haben.
  3. Ziehen Sie vom bereinigten Gewinn die tatsächlich anfallende Einkommensteuer ab.
  4. Bilden Sie den Durchschnitt der drei Jahre und teilen Sie ihn durch zwölf.
  5. Wenden Sie den Prozentsatz für das Alter des Kindes an und ziehen Sie Prozentpunkte für weitere Unterhaltspflichten ab.
  6. Halten Sie eine Einigung so fest, dass sie durchsetzbar ist, also vor Gericht, vor der Kinder- und Jugendhilfe oder als vollstreckbarer Notariatsakt.

Eine erste Einschätzung gibt Ihnen auch der Unterhaltsrechner auf Zweiheim.at.

Steuer und Unterhalt

Wer für ein Kind, das nicht im eigenen Haushalt lebt, Unterhalt zahlt, bekommt den Unterhaltsabsetzbetrag. Er beträgt 2026 monatlich 38 Euro für das erste, 56 Euro für das zweite und 75 Euro für jedes weitere Kind. Voraussetzung ist, dass der Unterhalt vollständig und wie festgesetzt bezahlt wurde. Selbstständige machen ihn in der Einkommensteuererklärung geltend.

Auch der Familienbonus Plus kann für den Elternteil infrage kommen, der Unterhalt zahlt und den Unterhaltsabsetzbetrag bekommt. Beantragen ihn beide Eltern, bekommt jeder die Hälfte. Klären Sie die Aufteilung mit Ihrer Steuerberatung und sprechen Sie sich mit dem anderen Elternteil ab.

Wenn sich das Einkommen ändert

Sinkt das Einkommen dauerhaft und deutlich, können Sie eine Herabsetzung beantragen. Ein schwacher Monat oder ein einzelnes schlechtes Quartal reicht meist nicht. Belegen Sie die Entwicklung mit aktuellen Zahlen.

Steigt das Einkommen deutlich, kann der andere Elternteil eine Erhöhung verlangen, in der Regel bis zu drei Jahre rückwirkend. Wer seinen Betrieb ohne guten Grund zurückfährt, muss damit rechnen, dass das Gericht das Einkommen annimmt, das er erzielen könnte. Das nennt man Anspannung.

Häufig gestellte Fragen

Ist der Einkommensteuerbescheid die Grundlage für den Unterhalt?

Er ist der Ausgangspunkt. Gerichte bereinigen den Gewinn aber um private oder rein steuerlich motivierte Ausgaben und ziehen die tatsächlich anfallende Einkommensteuer ab. Das unterhaltsrechtliche Einkommen kann deshalb höher sein als der steuerliche Gewinn.

Was passiert, wenn mein Einkommen stark schwankt?

In der Regel wird der Durchschnitt der letzten drei abgeschlossenen Wirtschaftsjahre herangezogen. Hat sich das Geschäft dauerhaft verändert, kann das Gericht davon abweichen.

Kann ich den Unterhalt herabsetzen lassen, wenn mein Einkommen sinkt?

Ja, wenn der Rückgang wesentlich und voraussichtlich dauerhaft ist. Kurzfristige Einbrüche reichen meist nicht. Sie müssen die Entwicklung mit aktuellen Unterlagen belegen.

Muss ich meine Buchhaltung offenlegen?

Im Unterhaltsverfahren ja. Das Gericht kann Steuerbescheide, Abschlüsse und Kontoauszüge verlangen. Wer nicht mitwirkt, riskiert, dass das Einkommen geschätzt wird.

Werden Privatentnahmen berücksichtigt?

Sie können eine Rolle spielen, wenn jemand dauerhaft deutlich mehr entnimmt, als der Gewinn ausweist, und das nicht aus Krediten oder Ersparnissen finanziert. Dann zeigen die Entnahmen, wovon jemand tatsächlich lebt.

Kann ich als zahlender Elternteil den Familienbonus Plus bekommen?

Das ist möglich, wenn Sie Unterhalt zahlen und den Unterhaltsabsetzbetrag bekommen. Beantragen ihn beide Eltern, wird er geteilt. Die Details klären Sie am besten mit Ihrer Steuerberatung.

Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen zur Rechtslage in Österreich und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Kostenlose Erstauskunft gibt es zum Beispiel beim Amtstag Ihres Bezirksgerichts oder bei einer Familienberatungsstelle.

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