Paar bespricht Unterlagen bei einem Beratungstermin
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Recht & Finanzen19. Mai 20267 Min. Lesezeit

Kindesunterhalt bei Jobverlust in Österreich berechnen

Wer den Job verliert, fragt sich schnell, was jetzt mit dem Kindesunterhalt passiert. Hier lesen Sie, wie der Unterhalt bei Arbeitslosigkeit in Österreich berechnet wird, warum ein bestehender Betrag nicht von selbst sinkt, wann das Gericht ein höheres Einkommen annimmt und was der Elternteil tun kann, bei dem das Kind lebt.

Eine Kündigung, die Insolvenz des Arbeitgebers oder eine lange Krankheit kann jeden treffen. Die Unterhaltspflicht bleibt bestehen, solange das Kind nicht selbsterhaltungsfähig ist. Was sich ändert, ist das Einkommen, nach dem der Unterhalt berechnet wird.

Hinweis: Dieser Artikel ist ein allgemeiner Überblick und keine Rechtsberatung. Mit konkreten Fragen wenden Sie sich an eine Anwältin oder einen Anwalt für Familienrecht oder an die Kinder- und Jugendhilfe, die bei Unterhaltsfragen kostenlos unterstützt.

Was sich bei Jobverlust ändert

Grundlage für den Kindesunterhalt ist das Nettoeinkommen des zahlenden Elternteils. Bei Arbeitslosigkeit tritt an dessen Stelle das Arbeitslosengeld oder die Notstandshilfe, die das AMS auszahlt.

Ein gerichtlich festgesetzter oder vereinbarter Betrag gilt aber weiter, bis er geändert wird. Wer weniger zahlen will, muss deshalb selbst aktiv werden. Einfach weniger zu überweisen, führt zu Rückständen, die mit Exekution eingetrieben werden können.

Auch einmalige Zahlungen zählen zum Einkommen. Eine Abfertigung oder eine Urlaubsersatzleistung wird in der Regel auf einen längeren Zeitraum aufgeteilt und erhöht so für eine Weile die Grundlage.

So wird der Unterhalt berechnet

Gerichte berechnen den Kindesunterhalt meist nach der Prozentsatzmethode. Vom monatlichen Nettoeinkommen, bei Arbeitslosigkeit vom Arbeitslosengeld, steht dem Kind ein Prozentsatz zu:

Alter des Kindes Prozentsatz
unter 6 Jahren 16 %
6 bis 9 Jahre 18 %
10 bis 14 Jahre 20 %
ab 15 Jahren 22 %

Für weitere Unterhaltspflichten werden Prozentpunkte abgezogen. Dem zahlenden Elternteil muss außerdem genug zum Leben bleiben. Wie viel das ist, beurteilt das Gericht im Einzelfall.

Ein Beispiel

Eine Mutter hat 2.500 Euro netto verdient und für ihre achtjährige Tochter 18 Prozent gezahlt, also 450 Euro im Monat. Nach der Kündigung bekommt sie 1.400 Euro Arbeitslosengeld im Monat. 18 Prozent davon sind 252 Euro. Weitere Unterhaltspflichten hat sie in diesem vereinfachten Beispiel nicht.

Der Unterschied ist groß. Er gilt aber erst, wenn der Unterhalt neu festgesetzt ist.

Das Arbeitslosengeld beträgt grundsätzlich 55 Prozent des früheren Nettoeinkommens, dazu können Familienzuschläge kommen. Die genaue Höhe steht in der Mitteilung des AMS.

Wann das Gericht ein höheres Einkommen annimmt

Wer weniger verdient, als er zumutbar könnte, muss sich dieses mögliche Einkommen anrechnen lassen. Das nennt man Anspannung. Der Unterhalt wird dann nach dem Einkommen berechnet, das bei zumutbarer Arbeit erreichbar wäre, und nicht nach dem Arbeitslosengeld.

Das kommt etwa infrage, wenn jemand

  • ohne nachvollziehbaren Grund selbst kündigt,
  • eine zumutbare Stelle ablehnt,
  • sich nicht ernsthaft um Arbeit bemüht oder
  • sein Einkommen absichtlich verringert, um weniger Unterhalt zu zahlen.

Wer unverschuldet arbeitslos wird, etwa durch Kündigung des Arbeitgebers oder aus gesundheitlichen Gründen, bekommt eine angemessene Zeit für die Jobsuche. Bewerben Sie sich nachweislich und heben Sie Bewerbungen, Absagen und Unterlagen vom AMS auf. Sie zeigen dem Gericht, dass Sie sich bemühen.

Den Unterhalt anpassen

So gehen Sie als zahlender Elternteil vor:

  1. Sammeln Sie die Unterlagen: Kündigung, Mitteilung des AMS über die Höhe des Arbeitslosengeldes und den letzten Lohnzettel.
  2. Informieren Sie den anderen Elternteil offen über die Lage. Offenheit erleichtert eine Einigung.
  3. Versuchen Sie, sich auf einen vorübergehend niedrigeren Betrag zu einigen. Halten Sie die Einigung schriftlich fest, am besten vor Gericht oder vor der Kinder- und Jugendhilfe.
  4. Klappt keine Einigung, stellen Sie beim Bezirksgericht, in dessen Sprengel das Kind lebt, einen Antrag auf Herabsetzung. Das geht schriftlich oder mündlich am Amtstag.
  5. Zahlen Sie bis zur Entscheidung, so viel Sie können, und dokumentieren Sie jede Zahlung.

Tipp: Eine Herabsetzung ist grundsätzlich auch für die Vergangenheit möglich. Bereits gezahlten Unterhalt bekommen Sie aber meist nicht zurück, und offene Rückstände können bis dahin eingetrieben werden. Stellen Sie den Antrag deshalb rasch nach dem Jobverlust.

Finden Sie wieder Arbeit, steigt der Unterhalt entsprechend. Der andere Elternteil kann dann eine Erhöhung beantragen, unter Umständen auch rückwirkend.

Wenn Sie das Kind betreuen

Ist der andere Elternteil arbeitslos geworden, kann das Ihr Haushaltsbudget spürbar treffen. Diese Schritte helfen:

  • Fragen Sie nach, wie viel Arbeitslosengeld der andere Elternteil bekommt, und lassen Sie sich die Mitteilung des AMS zeigen.
  • Wenden Sie sich an die Kinder- und Jugendhilfe. Sie berät kostenlos, rechnet den Unterhalt nach und kann das Kind im Verfahren vertreten.
  • Zahlt der andere Elternteil den festgesetzten Unterhalt nicht, können Sie für ein minderjähriges Kind einen Unterhaltsvorschuss beantragen, meist zusammen mit einem Exekutionsantrag. Der Vorschuss beträgt 2026 höchstens 855,16 Euro im Monat. Der Bund holt sich das Geld später vom zahlungspflichtigen Elternteil zurück.
  • Haben Sie den Verdacht, dass der andere Elternteil sich nicht um Arbeit bemüht, sprechen Sie die Anspannung im Verfahren an.

Steuer und Unterhalt

Wer für ein Kind, das nicht im eigenen Haushalt lebt, Unterhalt zahlt, kann den Unterhaltsabsetzbetrag bekommen. Er beträgt 2026 monatlich 38 Euro für das erste, 56 Euro für das zweite und 75 Euro für jedes weitere Kind.

Der Absetzbetrag senkt aber nur die Lohn- oder Einkommensteuer. Das Arbeitslosengeld ist steuerfrei. Haben Sie im ganzen Jahr nur Arbeitslosengeld bezogen, wirkt er sich deshalb nicht aus. Hatten Sie im selben Jahr noch Lohn, beantragen Sie ihn in der Arbeitnehmerveranlagung.

Was jetzt hilft

  1. Reden Sie früh mit dem anderen Elternteil, bevor Rückstände entstehen.
  2. Heben Sie alle Unterlagen auf, von der Kündigung bis zu Ihren Bewerbungen.
  3. Nutzen Sie kostenlose Beratung, etwa bei der Kinder- und Jugendhilfe, in einer Familienberatungsstelle oder am Amtstag des Bezirksgerichts.
  4. Halten Sie Einigungen schriftlich fest, am besten so, dass sie vor Gericht oder bei der Kinder- und Jugendhilfe protokolliert sind.
  5. Halten Sie Zahlungen und Absprachen nachvollziehbar fest. Eine App wie Zweiheim.at hilft, Ausgaben und Nachrichten geordnet zu dokumentieren.

Häufig gestellte Fragen

Muss ich weiter Unterhalt zahlen, wenn ich arbeitslos bin?

Ja. Die Unterhaltspflicht bleibt bestehen. Berechnet wird der Unterhalt dann vom Arbeitslosengeld. Ein festgesetzter Betrag gilt aber weiter, bis er durch eine Einigung oder einen Beschluss geändert wird.

Wie berechne ich den Kindesunterhalt bei Arbeitslosigkeit?

Vom monatlichen Arbeitslosengeld steht dem Kind je nach Alter ein Prozentsatz zu: 16 Prozent unter 6 Jahren, 18 Prozent von 6 bis 9, 20 Prozent von 10 bis 14 und 22 Prozent ab 15 Jahren. Für weitere Unterhaltspflichten werden Prozentpunkte abgezogen.

Was passiert, wenn ich den Unterhalt nicht mehr zahlen kann?

Informieren Sie den anderen Elternteil und beantragen Sie beim Bezirksgericht eine Herabsetzung. Für das Kind kann ein Unterhaltsvorschuss beantragt werden. Der Bund zahlt dann vor und fordert das Geld später von Ihnen zurück.

Kann der Unterhalt rückwirkend herabgesetzt werden?

Grundsätzlich ja. Bereits gezahlten Unterhalt bekommen Sie aber meist nicht zurück, und Rückstände können eingetrieben werden, solange der alte Betrag gilt. Stellen Sie den Antrag deshalb so früh wie möglich.

Was gilt, wenn ich selbst gekündigt habe?

Haben Sie ohne nachvollziehbaren Grund gekündigt, kann das Gericht ein Einkommen annehmen, das Sie bei zumutbarer Arbeit verdienen könnten. Der Unterhalt wird dann nicht nach dem Arbeitslosengeld berechnet. Hatten Sie einen guten Grund, etwa gesundheitliche Probleme, legen Sie Nachweise dafür vor.

Wann endet die Unterhaltspflicht?

Nicht mit dem 18. Geburtstag, sondern wenn das Kind selbsterhaltungsfähig ist, also von seinem eigenen Einkommen leben kann. Bei einer Ausbildung oder einem zielstrebig betriebenen Studium kann das deutlich später sein.

Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen zur Rechtslage in Österreich und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Kostenlose Erstauskunft gibt es zum Beispiel beim Amtstag Ihres Bezirksgerichts oder bei einer Familienberatungsstelle.

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Was bedeutet das für Ihre Familie?

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