Schulkosten nach der Trennung: Wer zahlt was?
Wer zahlt nach einer Trennung Schulsachen, Ausflüge und Nachhilfe? Hier lesen Sie, welche Schulkosten der laufende Unterhalt abdeckt, wann Sonderbedarf in Frage kommt, was bei Privatschule und Doppelresidenz gilt und wie getrennte Eltern die Kosten ohne Streit aufteilen.
Spätestens mit dem neuen Schuljahr werden Kostenfragen konkret. Wer kauft die Schultasche, wer zahlt die Projektwoche, und was ist mit der Mathe-Nachhilfe? Viele Eltern gehen davon aus, dass sie sich alles halbe-halbe teilen. Rechtlich ist es anders geregelt, und gerade das führt oft zu Streit.
Hinweis: Dieser Artikel ist ein allgemeiner Überblick und keine Rechtsberatung. Mit konkreten Fragen wenden Sie sich an eine Anwältin oder einen Anwalt für Familienrecht, an die Kinder- und Jugendhilfe oder an eine Familienberatungsstelle.
Wie der Unterhalt Schulkosten abdeckt
Beide Eltern müssen nach ihren Kräften zum Unterhalt des Kindes beitragen (§ 231 ABGB). Der Elternteil, bei dem das Kind hauptsächlich lebt, leistet seinen Beitrag vor allem durch Betreuung, Verpflegung und den Alltag. Der andere Elternteil zahlt Geldunterhalt.
Mit dem laufenden Unterhalt sind die normalen Lebenskosten des Kindes abgedeckt, auch die üblichen Schulkosten. Einen Anhaltspunkt für den durchschnittlichen Bedarf eines Kindes geben die Regelbedarfssätze, die jedes Jahr neu festgelegt werden. Wie viel Unterhalt im Einzelfall zu zahlen ist, berechnen Gerichte meist nach der Prozentsatzmethode.
Laufende Schulkosten
Zu den laufenden Kosten zählen vor allem
- Hefte, Stifte, Taschenrechner und anderes Schulmaterial,
- Schultasche und Turnsachen,
- Kopiergeld, Elternvereinsbeitrag und kleinere Beiträge und
- Ausflüge und übliche Schulveranstaltungen.
Diese Ausgaben trägt grundsätzlich der laufende Unterhalt. Eine eigene Forderung an den anderen Elternteil gibt es dafür in der Regel nicht. Der OGH hat zum Beispiel entschieden, dass eine Schulsportwoche aus dem laufenden Unterhalt zu bezahlen ist.
Schulbücher bekommen Kinder an öffentlichen und vielen privaten Schulen über die Schulbuchaktion, mit einem kleinen Selbstbehalt. Mit der Familienbeihilfe für September wird außerdem ein Schulstartgeld für Kinder im Schulalter ausgezahlt. Bei geringem Einkommen gibt es Zuschüsse für mehrtägige Schulveranstaltungen. Auskunft gibt die Schule oder die Bildungsdirektion.
Wann Sonderbedarf in Frage kommt
Sonderbedarf ist ein Bedarf, der über den laufenden Unterhalt hinausgeht, weil er außergewöhnlich, dringend und auf das einzelne Kind bezogen ist. Er ist die Ausnahme. Anerkannt wird er meist nur, wenn das Kind die Kosten nicht aus dem laufenden Unterhalt bezahlen kann. Außerdem muss der gesamte Unterhalt im Rahmen dessen bleiben, was der unterhaltspflichtige Elternteil leisten kann.
| Ausgabe | Einordnung |
|---|---|
| Hefte, Material, Turnsachen | laufender Unterhalt |
| Ausflüge, Schulsportwoche, Projektwoche | in der Regel laufender Unterhalt |
| Nachhilfe | kann Sonderbedarf sein, wenn sie nötig und außergewöhnlich ist, etwa bei einem plötzlichen Leistungseinbruch |
| Förderung oder Therapie wegen einer Lernschwäche | kann Sonderbedarf sein |
| Privatschule | nur in Ausnahmefällen Sonderbedarf, siehe unten |
| Schüleraustausch, Sprachreise | meist eine freiwillige Ausgabe, im Einzelfall zu prüfen |
Ob eine Ausgabe Sonderbedarf ist, entscheidet im Streitfall das Gericht. Wer Sonderbedarf verlangt, muss begründen und belegen, warum die Ausgabe nötig ist, etwa mit einer Empfehlung der Schule oder einem Befund.
Tipp: Kündigen Sie größere Ausgaben früh und schriftlich an, mit Betrag, Zweck und Begründung. Das verhindert Überraschungen und hilft, wenn Sie den Bedarf später nachweisen müssen.
Privatschule
Das Schulgeld einer Privatschule ist nicht automatisch Teil des Unterhalts. Als Sonderbedarf gilt es nach der Rechtsprechung nur, wenn es einen besonderen Grund für genau diese Schule gibt und eine gleichwertige öffentliche Schule nicht zur Verfügung steht. Beispiele sind eine fremdsprachige Schule nach einem langen Auslandsaufenthalt oder eine besondere Begabung des Kindes. Dass die öffentliche Schule voll ist, reicht allein nicht.
Hat der unterhaltspflichtige Elternteil dem Besuch der Privatschule zugestimmt, spricht das dafür, dass er sich an den Kosten beteiligen muss. Wechselt das Kind dagegen nach der Trennung auf Wunsch eines Elternteils in eine Privatschule, ohne dass der andere zugestimmt hat, ist eine Kostenbeteiligung schwer durchzusetzen.
Bei gemeinsamer Obsorge ist der Wechsel in eine andere Schule ohnehin eine Frage, die beide Eltern betrifft. Klären Sie sie am besten vor dem Schuljahr und halten Sie auch fest, wer was bezahlt.
Doppelresidenz
Betreuen beide Eltern das Kind ungefähr gleich viel, entfällt der Geldunterhalt nicht automatisch. Verdient ein Elternteil deutlich mehr, kann er dem Kind weiter einen Restbetrag schulden. Die laufenden Schulkosten müssen dann in beiden Haushalten oder über ein gemeinsames Konto gedeckt werden.
Gerade in der Doppelresidenz lohnt sich eine klare Absprache, wer welche Schulkosten übernimmt. Viele Eltern legen fest, dass größere Ausgaben nach dem Verhältnis ihrer Einkommen geteilt werden. Das ist eine freiwillige Vereinbarung, keine gesetzliche Regel, kann aber viel Streit ersparen.
Wie Sie Schulkosten ohne Streit aufteilen
Streit um Schulkosten entsteht selten wegen der Beträge selbst. Meist fehlt ein gemeinsamer Überblick.
- Gehen Sie zu Schulbeginn gemeinsam durch, welche Kosten im Schuljahr zu erwarten sind.
- Legen Sie fest, was der laufende Unterhalt abdeckt und welche größeren Ausgaben Sie gesondert besprechen.
- Halten Sie die Aufteilung schriftlich fest.
- Kündigen Sie größere Ausgaben rechtzeitig an, nicht erst nach dem Kauf.
- Bewahren Sie Rechnungen und Zahlungsbestätigungen auf. Das schützt beide Seiten.
Eine App wie Zweiheim.at hilft, gemeinsame Ausgaben und Belege an einem Ort festzuhalten, sodass beide Eltern denselben Stand sehen.
Wenn der andere Elternteil nicht zahlt
Klappt die Einigung nicht, gibt es mehrere Schritte:
- Fordern Sie den Betrag schriftlich an, mit Begründung und Belegen.
- Suchen Sie eine Familienberatungsstelle auf. Die vom Bund geförderten Stellen beraten kostenlos.
- Versuchen Sie eine Mediation. Das Bundeskanzleramt fördert Familienmediation abhängig vom Einkommen.
- Wenden Sie sich an die Kinder- und Jugendhilfe. Sie unterstützt bei Unterhaltsfragen und kann das Kind vertreten.
Bleibt es beim Streit, kann Sonderbedarf beim Bezirksgericht am gewöhnlichen Aufenthalt des Kindes im Außerstreitverfahren geltend gemacht werden.
Häufig gestellte Fragen
Sind Hefte und Schulmaterial im Unterhalt enthalten?
Ja. Übliche Schulkosten wie Hefte, Stifte, Turnsachen und kleinere Beiträge sind mit dem laufenden Unterhalt abgedeckt. Eine eigene Forderung dafür gibt es in der Regel nicht.
Wer zahlt die Schulsportwoche oder die Projektwoche?
Übliche Schulveranstaltungen sind nach der Rechtsprechung in der Regel aus dem laufenden Unterhalt zu bezahlen und kein Sonderbedarf. Bei geringem Einkommen können Sie über die Schule einen Zuschuss beantragen.
Muss der andere Elternteil Nachhilfe mitzahlen?
Das hängt vom Einzelfall ab. Ist Nachhilfe wirklich nötig und außergewöhnlich, etwa nach einem plötzlichen Leistungseinbruch, kann sie Sonderbedarf sein. Dann muss sich der unterhaltspflichtige Elternteil im Rahmen seiner Leistungsfähigkeit beteiligen. Eine Empfehlung der Schule und eine frühe Ankündigung helfen, den Bedarf zu belegen.
Werden Schulkosten nach dem Einkommen der Eltern geteilt?
Nicht automatisch. Laufende Schulkosten sind Teil des Unterhalts. Für Sonderbedarf kommt es vor allem auf die Leistungsfähigkeit des unterhaltspflichtigen Elternteils an. Viele Eltern vereinbaren aber freiwillig, größere Ausgaben nach ihrem Einkommen aufzuteilen.
Muss der andere Elternteil eine Privatschule mitbezahlen?
Nur in Ausnahmefällen. Das Schulgeld gilt als Sonderbedarf, wenn es einen besonderen Grund für diese Schule gibt und keine gleichwertige öffentliche Schule zur Verfügung steht, oder wenn der andere Elternteil zugestimmt hat. Klären Sie die Frage vor dem Schulwechsel schriftlich.
Wo kann ich Sonderbedarf geltend machen?
Beim Bezirksgericht am gewöhnlichen Aufenthalt des Kindes, im Außerstreitverfahren. Die Kinder- und Jugendhilfe kann dabei unterstützen. Versuchen Sie vorher eine Einigung, etwa über eine Familienberatung oder Mediation.
Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen zur Rechtslage in Österreich und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Kostenlose Erstauskunft gibt es zum Beispiel beim Amtstag Ihres Bezirksgerichts oder bei einer Familienberatungsstelle.
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