Vater und Sohn am Seeufer mit zwei Schwänen
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Recht & Finanzen10. März 20268 Min. Lesezeit

Kontaktrecht in Österreich: Streit um Besuchszeiten lösen

Das Kontaktrecht sichert in Österreich Kindern und Eltern regelmäßige persönliche Kontakte, egal wer die Obsorge hat. Hier lesen Sie, was das Gesetz vorsieht, wie viel Kontakt in der Praxis üblich ist, wie ein Gericht bei Streit vorgeht und wie Sie Konflikte um Besuchszeiten möglichst ohne Verfahren lösen.

Die Paarbeziehung endet, die Elternschaft bleibt. Gerade in den ersten Monaten nach einer Trennung werden die Besuchszeiten oft zum Streitpunkt, und das Kind steht mittendrin. Früher sprach man vom Besuchsrecht. Der heutige Begriff Kontaktrecht macht deutlicher, worum es geht: um die Beziehung des Kindes zu beiden Eltern.

Was das Gesetz sagt

Das Kind und jeder Elternteil haben das Recht auf regelmäßige und den Bedürfnissen des Kindes entsprechende persönliche Kontakte (§ 187 ABGB). Das gilt vor allem für den Elternteil, bei dem das Kind nicht hauptsächlich lebt, und unabhängig davon, wer die Obsorge hat. Die Kontakte sollen nach Möglichkeit Freizeit und Alltag umfassen, also auch einmal einen Schultag, einen Arztbesuch oder einen ganz normalen Abend.

Das Kontaktrecht ist ein Recht des Kindes. Es soll ihm die Beziehung zu beiden Eltern erhalten, solange das seinem Wohl entspricht.

Recht und Pflicht

Beide Eltern müssen alles unterlassen, was die Beziehung des Kindes zum anderen Elternteil beeinträchtigt (§ 159 ABGB). Wer Kontakte ohne guten Grund verhindert, schlecht über den anderen redet oder das Kind unter Druck setzt, verstößt gegen dieses Wohlverhaltensgebot. Das Gericht kann das bei späteren Entscheidungen berücksichtigen.

Hinweis: Dieser Artikel ist ein allgemeiner Überblick und keine Rechtsberatung. Mit konkreten Fragen wenden Sie sich an eine Anwältin oder einen Anwalt für Familienrecht oder an eine Familienberatungsstelle. Am Amtstag jedes Bezirksgerichts bekommen Sie kostenlos Auskunft.

Wie viel Kontakt üblich ist

Eine feste Mindestzahl an Besuchstagen steht nicht im Gesetz. Jede Regelung soll zum konkreten Kind passen, zu seinem Alter, seinem Alltag und der Entfernung zwischen den Wohnungen.

In der Rechtsprechung zum Unterhalt gilt ein Kontaktrecht von etwa zwei Tagen alle zwei Wochen und vier Wochen in den Ferien als üblich. Das sind ungefähr 80 Tage im Jahr. Ein Kontaktrecht in diesem Ausmaß verringert den Kindesunterhalt nicht. Betreut der unterhaltspflichtige Elternteil das Kind deutlich mehr, kann der Unterhalt sinken.

Modell Typische Gestaltung
übliches Kontaktrecht jedes zweite Wochenende und einige Wochen in den Ferien
erweitertes Kontaktrecht zusätzlich ein fixer Wochentag oder längere Ferienzeiten
Doppelresidenz beide Eltern betreuen ungefähr gleich viel, etwa im Wochenwechsel
eingeschränktes oder begleitetes Kontaktrecht kürzere Kontakte, teils im Beisein einer Fachkraft

Bei kleinen Kindern sind oft häufigere, kürzere Kontakte besser als lange Wochenenden. Bei Jugendlichen zählen Schule, Freunde und Hobbys stärker mit.

Wenn Eltern sich nicht einigen

Gelingt keine Einigung, kann jeder Elternteil beim Bezirksgericht beantragen, die Kontakte zu regeln. Zuständig ist das Gericht am gewöhnlichen Aufenthalt des Kindes. Es entscheidet im Außerstreitverfahren. Das ist weniger konfrontativ als ein Zivilprozess: Das Gericht ermittelt selbst und richtet sich nach dem Kindeswohl.

So läuft ein Verfahren meist ab:

  1. Ein Elternteil stellt den Antrag beim Bezirksgericht.
  2. Das Gericht hört beide Eltern.
  3. Kinder ab zehn Jahren hört es in der Regel persönlich an (§ 105 AußStrG). Jüngere Kinder werden oft über die Familiengerichtshilfe befragt.
  4. Bei Bedarf holt das Gericht eine Stellungnahme der Familiengerichtshilfe oder ein psychologisches Gutachten ein.
  5. Am Ende steht ein Beschluss mit einer verbindlichen Kontaktregelung, oder die Eltern schließen vor Gericht eine Vereinbarung.

Ein Antrag bei Gericht ist kein Angriff auf den anderen Elternteil. Er schafft eine verlässliche Regelung, an die sich beide halten müssen.

Wonach das Gericht entscheidet

Maßstab ist das Kindeswohl (§ 138 ABGB). Das Gesetz nennt dazu unter anderem

  • verlässliche Kontakte zu beiden Elternteilen und sichere Bindungen,
  • den Schutz vor Gewalt, auch davor, Gewalt an einer Bezugsperson mitzuerleben,
  • die Meinung des Kindes, je nach Alter und Verständnis,
  • die Vermeidung von Loyalitätskonflikten und
  • eine angemessene Versorgung und Erziehung.

Das Gericht achtet auch darauf, ob die Eltern bereit sind, zusammenzuarbeiten.

Die Meinung des Kindes

Je älter und reifer ein Kind ist, desto mehr Gewicht hat seine Meinung. Ein Veto hat ein jüngeres Kind aber nicht. Lehnt ein Jugendlicher ab 14 Jahren den Kontakt ausdrücklich ab und scheitert eine gütliche Einigung, setzt das Gericht keine Kontaktregelung gegen seinen Willen fest (§ 108 AußStrG).

Wenn der andere Elternteil den Kontakt verweigert

Ein Elternteil sagt Termine ab, übergibt das Kind nicht oder ist nicht erreichbar. Das ist ohne triftigen Grund nicht zulässig.

Was Sie tun können:

  • Halten Sie jeden ausgefallenen Kontakt fest: Datum, Uhrzeit, was passiert ist.
  • Gibt es eine Gerichtsentscheidung oder eine vor Gericht geschlossene Vereinbarung, können Sie beantragen, dass das Gericht sie durchsetzt. Es kann dann Zwangsmittel wie Geldstrafen anordnen (§ 110 AußStrG).
  • Gibt es nur eine private Absprache, beantragen Sie zuerst eine gerichtliche Regelung. Private Vereinbarungen kann das Gericht nicht zwangsweise durchsetzen.
  • Bei dauerhafter Verweigerung kann das Gericht die Betreuung neu regeln. Das ist aber ein großer Schritt und kommt erst nach anderen Maßnahmen in Frage.

Wie das im Einzelnen abläuft, lesen Sie im Artikel über das Durchsetzen des Kontaktrechts. Eine App wie Zweiheim.at hilft, Absprachen und Termine schriftlich und nachvollziehbar festzuhalten.

Wann das Gericht Kontakte einschränkt

Das Kontaktrecht gilt nicht unbegrenzt. Gefährdet der Kontakt das Wohl des Kindes, kann das Gericht ihn einschränken, an Bedingungen knüpfen oder in schweren Fällen ganz untersagen.

Besuchsbegleitung

Bevor das Gericht Kontakte ganz untersagt, ordnet es oft eine Besuchsbegleitung an (§ 111 AußStrG). Die Kontakte finden dann im Beisein einer neutralen Fachperson statt. Das schützt das Kind und kann helfen, die Beziehung nach einer Pause oder einem schweren Konflikt wieder aufzubauen.

Besuchsbegleitung kommt etwa in Frage bei

  • Hinweisen auf Gewalt oder Missbrauch,
  • sehr strittigen Trennungen,
  • einem langen Kontaktabbruch oder
  • einer psychischen Erkrankung eines Elternteils, die den Umgang mit dem Kind beeinträchtigt.

Für Eltern mit geringem Einkommen fördert das Sozialministerium die Besuchsbegleitung.

Kontakt ganz untersagt

Ein vollständiges Verbot ist die Ausnahme. Es setzt eine ernsthafte Gefährdung des Kindes voraus. Die Hürde ist hoch, weil auch der Kontakt zu beiden Eltern zum Kindeswohl gehört.

Großeltern und andere Bezugspersonen

Auch Großeltern haben ein Recht auf Kontakt zu ihren Enkeln, soweit das dem Kindeswohl entspricht und das Familienleben der Eltern nicht gestört wird (§ 188 Abs. 1 ABGB). Das Gericht kann außerdem Kontakte zu anderen Personen regeln, die zum Kind in einem besonderen persönlichen oder familiären Verhältnis stehen, etwa zu einem früheren Stiefelternteil (§ 188 Abs. 2 ABGB), wenn das dem Kind dient.

Mediation statt Gericht

Ein Gerichtsverfahren kostet Zeit, Geld und Nerven, für alle Beteiligten. In einer Familienmediation suchen die Eltern mit einer neutralen Fachperson selbst eine Lösung.

Mediation kann helfen,

  • den Paarkonflikt von den Fragen zum Kind zu trennen,
  • eine Regelung zu finden, die zur Familie passt,
  • die Kommunikation auf Dauer zu verbessern und
  • ein langes Verfahren zu vermeiden.

Das Bundeskanzleramt fördert Familienmediation abhängig vom Einkommen. Das Justizministerium führt eine Liste eingetragener Mediatorinnen und Mediatoren. Was Sie in der Mediation vereinbaren, können Sie anschließend vor Gericht als Vereinbarung schließen. Dann ist sie genauso durchsetzbar wie ein Beschluss.

Streiten Eltern bereits vor Gericht, kann das Gericht sie verpflichten, eine Familienberatung zu besuchen oder an einem Erstgespräch über Mediation teilzunehmen (§ 107 Abs. 3 AußStrG). Die Mediation selbst bleibt freiwillig.

Was im Streit um Besuchszeiten hilft

  1. Halten Sie die Regelung schriftlich fest: Wochentage, Uhrzeiten, Ferien, Geburtstage und Feiertage. Je genauer, desto weniger Streit über Auslegungen.
  2. Versuchen Sie es mit einer Familienberatung oder Mediation, bevor Sie zu Gericht gehen.
  3. Dokumentieren Sie Absagen, Verspätungen und Vereinbarungen. Im Streitfall hilft das vor Gericht.
  4. Stellen Sie einen Antrag beim Bezirksgericht, wenn keine Einigung möglich ist. Das ist ein normaler rechtlicher Weg.
  5. Halten Sie das Kind aus dem Konflikt heraus. Es soll weder Bote noch Informant noch Verbündeter sein. Gerichte bewerten das sehr kritisch.

Streit um Besuchszeiten belastet alle, am meisten das Kind. Eine Regelung, die das Kind in den Mittelpunkt stellt, ist meist auch die, die auf Dauer hält.

Häufig gestellte Fragen

Darf ein Elternteil dem anderen den Kontakt einfach verweigern?

Nein. Ohne triftigen Grund ist das nicht zulässig. Beide Eltern müssen die Beziehung des Kindes zum anderen Elternteil respektieren. Bei wiederholter Verweigerung können Sie eine gerichtliche Regelung beantragen oder eine bestehende Regelung durchsetzen lassen.

Wie viele Kontakttage stehen mir zu?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Als üblich gilt in der Rechtsprechung etwa jedes zweite Wochenende plus einige Wochen in den Ferien, zusammen ungefähr 80 Tage im Jahr. Je nach Alter des Kindes und Lebensumständen kann die Regelung deutlich davon abweichen.

Ab welchem Alter zählt die Meinung des Kindes?

Die Meinung des Kindes zählt immer, und umso mehr, je älter und reifer es ist. Ab zehn Jahren hört das Gericht Kinder in der Regel persönlich an. Ab 14 Jahren setzt es keine Kontakte gegen den ausdrücklichen Willen des Jugendlichen fest.

Was passiert, wenn wir uns gar nicht einigen?

Dann kann jeder Elternteil beim Bezirksgericht beantragen, die Kontakte zu regeln. Das Gericht entscheidet im Außerstreitverfahren nach dem Kindeswohl. Vorher oder währenddessen kann es die Eltern zu einer Beratung oder einem Erstgespräch über Mediation verpflichten.

Kann der Kontakt ganz untersagt werden?

Ja, aber nur ausnahmsweise, wenn der Kontakt das Kind ernsthaft gefährdet, etwa bei Gewalt oder Missbrauch. Meist ordnet das Gericht vorher eine Besuchsbegleitung an.

Haben auch Großeltern ein Kontaktrecht?

Ja. Großeltern haben ein Recht auf Kontakt zu ihren Enkeln, soweit das dem Kindeswohl entspricht. Auch andere Personen, die dem Kind besonders nahestehen, können ein Kontaktrecht bekommen, wenn es dem Kind dient.

Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen zur Rechtslage in Österreich und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Kostenlose Erstauskunft gibt es zum Beispiel beim Amtstag Ihres Bezirksgerichts oder bei einer Familienberatungsstelle.

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