Smartphone und Papierkalender beim Planen von Terminen
Foto: Artem Podrez
Organisation & Alltag25. Juni 20267 Min. Lesezeit

Getrennte Eltern App: Worauf es in Österreich ankommt

Nach einer Trennung müssen zwei Haushalte den Alltag eines Kindes gemeinsam organisieren. Eine getrennte Eltern App bündelt dafür Kalender, Nachrichten und Ausgaben an einem Ort. Hier lesen Sie, was solche Apps können, worauf Sie bei der Auswahl in Österreich achten sollten und was Zweiheim.at anbietet.

Wer holt das Kind am Freitag von der Schule ab? Wer zahlt die neuen Turnschuhe? Wann war der letzte Termin beim Kinderarzt? Das sind organisatorische Fragen. In den ersten Monaten nach einer Trennung werden aber genau solche Fragen schnell zum Streitpunkt, weil noch viel Ärger mitschwingt.

Was eine Co-Parenting-App leistet

Eine Co-Parenting-App ist eine Plattform, die für Familien nach einer Trennung oder Scheidung gebaut ist. Statt Absprachen über WhatsApp, Telefon und Zettel an der Kühlschranktür laufen sie über einen gemeinsamen Ort, den beide Eltern sehen.

Typische Funktionen sind

  • ein gemeinsamer Kalender für Betreuungszeiten, Übergaben und Termine,
  • ein Nachrichtenkanal nur für Elternfragen,
  • eine Liste der Ausgaben, die zeigt, wer was bezahlt hat,
  • eine Ablage für Dokumente wie Befunde, Zeugnisse oder Vereinbarungen und
  • Erinnerungen an Termine für beide Eltern.

Der wichtigste Nutzen ist oft der einfachste: Beide sehen denselben Stand. Wer sich auf den gemeinsamen Kalender beziehen kann, muss nicht darüber streiten, was am Telefon ausgemacht wurde.

Tipp: Nutzen Sie den schriftlichen Kanal bewusst als Puffer. Eine Nachricht kann man vor dem Absenden noch einmal lesen, ein Telefonat nicht.

Worauf Sie in Österreich achten sollten

Viele bekannte Co-Parenting-Apps kommen aus den USA, aus Deutschland oder aus Belgien. Die Grundfunktionen sind überall ähnlich. Unterschiede gibt es bei den Punkten, die vom Land abhängen.

Unterhalt nach österreichischem Recht

In Österreich wird der Kindesunterhalt meist nach der Prozentsatzmethode berechnet. Der unterhaltspflichtige Elternteil zahlt einen Prozentsatz seines Nettoeinkommens, der vom Alter des Kindes abhängt:

Alter des Kindes Prozentsatz vom Nettoeinkommen
bis 6 Jahre 16 %
6 bis 10 Jahre 18 %
10 bis 15 Jahre 20 %
über 15 Jahre 22 %

Für weitere Kinder, die ebenfalls Unterhalt bekommen, wird der Prozentsatz gekürzt. Obergrenze ist die Luxusgrenze, und mehr Betreuungszeit kann den Unterhalt senken. In Deutschland gilt dagegen die Düsseldorfer Tabelle mit festen Beträgen je Einkommensgruppe. Ein Rechner nach deutschem Recht hilft österreichischen Eltern deshalb nicht weiter.

Hinweis: Ein Unterhaltsrechner gibt eine Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Mit konkreten Fragen wenden Sie sich an eine Anwältin oder einen Anwalt für Familienrecht oder an eine Familienberatungsstelle.

Schulferien und Sprache

Die Semesterferien liegen in Österreich je nach Bundesland in unterschiedlichen Wochen, und die Sommerferien beginnen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland eine Woche früher. Ein Kalender, der die Ferien Ihres Bundeslandes schon kennt, erspart das Abtippen. Auch die Begriffe sollten passen: In Österreich heißt es Obsorge und Kontaktrecht, nicht Sorgerecht und Umgang.

Datenschutz

In einer Co-Parenting-App stehen sensible Daten über Ihr Kind und Ihre Familie. Schauen Sie in die Datenschutzerklärung: Wo werden die Daten gespeichert, wer kann sie sehen, und können Sie sie exportieren und löschen lassen?

Kosten für beide Eltern

Prüfen Sie, ob ein Abo für beide Eltern gilt oder ob jeder Elternteil einzeln zahlen muss. Bei manchen Apps zahlt jeder selbst, was schnell zum nächsten Streitpunkt wird.

Bekannte Apps im Überblick

Zu den bekannten Apps zählen OurFamilyWizard und TalkingParents aus den USA, 2houses aus Belgien sowie Pendelkinder und Getrennt Gemeinsam aus Deutschland. Die meisten bieten Kalender, Nachrichten und eine Ausgabenliste. Einige haben eigene Besonderheiten, OurFamilyWizard etwa einen Hinweis auf einen gereizten Ton, bevor eine Nachricht abgeschickt wird.

Was die meisten nicht haben, sind die österreichischen Besonderheiten: Unterhalt nach der Prozentsatzmethode und Schulferien nach Bundesland. Einen genaueren Vergleich einzelner Apps mit Zweiheim.at finden Sie auf unseren Vergleichsseiten.

Was Zweiheim.at bietet

Zweiheim.at ist eine Co-Parenting-App aus Österreich. Jeder Elternteil hat ein eigenes Konto, und gemeinsame Einträge sehen nur Sie und der eingeladene Elternteil.

Kostenlos

  • Unterhaltsrechner nach der Prozentsatzmethode mit den Regelbedarfssätzen 2026, der Luxusgrenze und einer Berechnung für mehr Betreuungszeit und Doppelresidenz
  • gemeinsamer Kalender mit den Schulferien Ihres Bundeslandes
  • Nachrichten an den anderen Elternteil
  • Ausgaben erfassen und halb und halb teilen

Premium

  • Ausgaben mit Belegen, eigener Aufteilung und Bestätigung durch den anderen Elternteil
  • laufender Saldo und Ausgleichszahlungen
  • Nachweis-Mappe als PDF für Anwalt, Gericht oder Kinder- und Jugendhilfe
  • Ton-Check, der eine Nachricht vor dem Senden auf einen sachlichen Ton prüft
  • Bedenkzeit, in der Sie eine Nachricht 30 Minuten lang zurückziehen können

Premium kostet 4,90 € im Monat und gilt für beide Eltern. Nach der Registrierung können Sie es 30 Tage ohne Kreditkarte testen. Danach können Sie mit den kostenlosen Funktionen weitermachen.

So starten Sie mit einer Co-Parenting-App

Eine App funktioniert nur, wenn beide Eltern sie nutzen. Nehmen Sie sich für den Start etwas Zeit.

  1. Sprechen Sie mit dem anderen Elternteil darüber, bevor Sie ihn einladen. Erklären Sie, warum Sie es versuchen möchten, etwa weniger Missverständnisse bei Übergaben.
  2. Tragen Sie zuerst die nächsten vier Wochen in den Kalender ein: Übergaben, Schultermine, Arzttermine.
  3. Vereinbaren Sie Regeln für die Nachrichten, zum Beispiel eine Antwort innerhalb von 24 Stunden und keine Nachrichten nach 21 Uhr, außer in Notfällen.
  4. Legen Sie fest, ab welchem Betrag Sie eine Ausgabe vorher absprechen, etwa ab 50 €.
  5. Fangen Sie klein an. Der Kalender reicht für die ersten Wochen, Ausgaben und Dokumente können später dazukommen.
  6. Schauen Sie nach drei Monaten gemeinsam, was funktioniert und was nicht.

Was eine App nicht ersetzt

Eine App ordnet den Alltag, sie löst keine tiefen Konflikte. Wenn jede Absprache eskaliert, hilft eine Beratung oder Mediation mehr als jede Funktion.

Unterstützung gibt es zum Beispiel bei

  • den vom Bund geförderten Familienberatungsstellen, die in ganz Österreich kostenlos beraten,
  • Rainbows, einem Verein, der Kinder und Jugendliche nach Trennung und Scheidung in Gruppen begleitet,
  • JUNO in Wien, einem Zentrum für Getrennt- und Alleinerziehende, und
  • der Kinder- und Jugendhilfe Ihres Bezirks, die auch bei Unterhaltsfragen hilft.

Was sich im Alltag bewährt

  1. Halten Sie Eltern- und Paarthemen getrennt. Die App ist für die Organisation rund ums Kind da. Die Aufarbeitung der Trennung gehört in eine Beratung, nicht in den Chat.
  2. Tragen Sie Ausgaben gleich nach dem Kauf ein. Eine Woche später weiß oft niemand mehr genau, wofür die 38 € waren.
  3. Nehmen Sie den Kalender als gemeinsame Grundlage. Bei Unklarheiten gilt, was eingetragen ist, nicht was jemand in Erinnerung hat.
  4. Sichern Sie wichtige Vereinbarungen, zum Beispiel als Export oder Ausdruck.
  5. Halten Sie Ihr Kind aus der Elternkommunikation heraus. Es soll weder Nachrichten überbringen noch mitlesen.

Häufig gestellte Fragen

Was kostet eine Co-Parenting-App?

Das reicht von kostenlosen Grundversionen über einmalige Kaufpreise bis zu Abos. Prüfen Sie, ob ein Abo für beide Eltern gilt. Bei Zweiheim.at sind Unterhaltsrechner, Kalender, Nachrichten und eine einfache Ausgabenliste kostenlos. Premium kostet 4,90 € im Monat für beide Eltern und lässt sich 30 Tage gratis testen.

Kann ich eine App auch nutzen, wenn der andere Elternteil nicht mitmacht?

Für sich selbst schon, etwa um Termine und Ausgaben festzuhalten. Den eigentlichen Nutzen hat eine Co-Parenting-App aber erst, wenn beide sie verwenden. Sprechen Sie das Thema ruhig an, eventuell auch im Rahmen einer Beratung oder Mediation.

Sind Nachrichten aus einer App vor Gericht verwertbar?

In Verfahren über Obsorge und Kontaktrecht kann das Gericht alles als Beweis heranziehen, was zur Klärung geeignet ist (§ 31 AußStrG). Dazu können auch Nachrichten und Einträge aus einer App gehören. Wie viel sie im Einzelfall zählen, entscheidet das Gericht. Lassen Sie sich im Zweifel anwaltlich beraten.

Worin unterscheidet sich die Unterhaltsberechnung in Österreich und Deutschland?

In Österreich gilt meist die Prozentsatzmethode, also 16 bis 22 % des Nettoeinkommens je nach Alter des Kindes. In Deutschland bestimmt die Düsseldorfer Tabelle feste Beträge je Einkommensgruppe. Die beiden Systeme sind nicht vergleichbar.

Was ist der Unterschied zwischen Obsorge und Betreuung?

Die Obsorge ist die rechtliche Verantwortung für das Kind, also Pflege und Erziehung, Vermögensverwaltung und gesetzliche Vertretung. Die Betreuung beschreibt, bei wem das Kind tatsächlich lebt und wann. Eltern können die Obsorge gemeinsam haben, auch wenn das Kind hauptsächlich bei einem Elternteil wohnt.

Wo finde ich in Österreich Beratung für getrennte Eltern?

Bei den vom Bund geförderten Familienberatungsstellen, bei der Kinder- und Jugendhilfe Ihres Bezirks, bei Rainbows für Kinder und Jugendliche und in Wien bei JUNO. Viele Angebote sind kostenlos.

Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen zur Rechtslage in Österreich und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Kostenlose Erstauskunft gibt es zum Beispiel beim Amtstag Ihres Bezirksgerichts oder bei einer Familienberatungsstelle.

Ihr nächster Schritt

Was bedeutet das für Ihre Familie?

Rechnen Sie es in einer Minute aus. Mit Zweiheim planen Sie danach Betreuung, Absprachen und Ausgaben gemeinsam mit dem anderen Elternteil, kostenlos und ohne Kreditkarte.

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