Familie geht Hand in Hand im Freien spazieren
Foto: Emma Bauso
Organisation & Alltag1. Mai 20268 Min. Lesezeit

Ferienregelung für getrennte Eltern in Österreich

Eine feste gesetzliche Ferienregelung für getrennte Eltern gibt es in Österreich nicht. Hier lesen Sie, was rechtlich gilt, welche Modelle sich bewährt haben, was bei einem Urlaub im Ausland zu beachten ist und was passiert, wenn sich die Eltern nicht einigen.

Ferien sollten für Kinder die schönste Zeit des Jahres sein. Für getrennte Eltern bedeuten sie oft Verhandlungen und manchmal handfesten Streit. Wer hat das Kind zu Weihnachten? Wie werden die langen Sommerferien aufgeteilt? Darf der andere Elternteil einfach mit dem Kind ins Ausland fahren?

Was rechtlich gilt

Das Gesetz schreibt keine bestimmte Aufteilung der Ferien vor. Das heißt auch, dass Eltern viel Spielraum haben, eine Lösung zu finden, die zu ihrer Familie passt.

Wichtig sind vor allem diese Regeln im ABGB:

  • Das Kindeswohl ist der Maßstab für alle Entscheidungen, die Kinder betreffen (§ 138 ABGB).
  • Kind und Elternteil haben ein Recht auf regelmäßige persönliche Kontakte (§ 187 ABGB). Das umfasst Zeiten in der Freizeit und in den Ferien.
  • Waren die Eltern verheiratet, bleibt die Obsorge nach der Trennung grundsätzlich bei beiden. Bei unverheirateten Eltern hat zunächst die Mutter die Obsorge allein, die Eltern können aber die gemeinsame Obsorge vereinbaren.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Rechtsberatung. Mit konkreten Fragen wenden Sie sich an eine Anwältin oder einen Anwalt für Familienrecht oder an eine Familienberatungsstelle.

Eine Einigung geht vor

Das österreichische Familienrecht setzt auf die Eigenverantwortung der Eltern. Einigen Sie sich, gilt Ihre Vereinbarung. Erst wenn das nicht gelingt, entscheidet auf Antrag das Bezirksgericht als Pflegschaftsgericht im Außerstreitverfahren, und zwar nach dem Kindeswohl.

Die Schulferien als Grundlage

Sobald das Kind in die Schule geht, richtet sich jede Ferienregelung nach dem Schulferienkalender. Grob sieht das Schuljahr in Österreich so aus:

Ferien Zeitraum
Herbstferien 27. bis 31. Oktober
Weihnachtsferien 24. Dezember bis 6. Jänner
Semesterferien eine Woche im Februar, je nach Bundesland in der ersten, zweiten oder dritten Februarwoche
Osterferien vom Samstag vor dem Palmsonntag bis zum Ostermontag
Pfingstferien vom Samstag vor Pfingsten bis zum Pfingstmontag
Sommerferien rund neun Wochen, in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland eine Woche früher als in den anderen Bundesländern

Die genauen Termine für Ihr Bundesland finden Sie auf der Seite des Bildungsministeriums (bmb.gv.at).

Die Sommerferien sind der größte Block und brauchen die genaueste Regelung. Hier lohnt es sich besonders, früh eine klare Vereinbarung zu treffen.

Bewährte Modelle

Wie Sie die Ferien aufteilen, hängt davon ab, wie Sie den Alltag organisiert haben.

Das Kind lebt hauptsächlich bei einem Elternteil

Hat der andere Elternteil im Alltag weniger Zeit mit dem Kind, wird das in den Ferien oft ausgeglichen. In der Praxis sieht das häufig so aus:

  • Der Elternteil, bei dem das Kind nicht hauptsächlich lebt, hat in den Sommerferien mehrere zusammenhängende Wochen mit dem Kind, oft drei bis vier.
  • Weihnachten, Ostern und andere Feiertage wechseln jedes Jahr.
  • Kurze Ferien wie Herbst- oder Semesterferien gehen abwechselnd an einen Elternteil oder werden geteilt.

Bei kleinen Kindern sind lange Abwesenheiten von einem Elternteil oft schwierig. Kürzere Blöcke passen dann meist besser, und mit dem Alter können sie länger werden.

Doppelresidenz

Lebt das Kind ohnehin ungefähr gleich viel bei beiden Eltern, liegt eine hälftige Aufteilung der Ferien nahe. Viele Familien teilen die Ferien in feste Abschnitte auf.

Bewährt hat sich das Prinzip gerade und ungerade Jahre: In geraden Jahren verbringt das Kind Weihnachten bei Elternteil A, in ungeraden Jahren bei Elternteil B. Das ist planbar und erspart jährliche Verhandlungen. Halten Sie dazu genaue Übergabezeiten und Übergabeorte schriftlich fest.

Schritt für Schritt zum Ferienplan

Erstellen Sie den Ferienplan am besten zu Jahresbeginn und nicht erst kurz vor den Ferien. Dann haben alle genug Vorlauf, auch das Kind.

  1. Holen Sie sich den Schulferienkalender Ihres Bundeslandes.
  2. Klären Sie, von welchem Betreuungsmodell Sie ausgehen. Das ist die Grundlage für die Aufteilung.
  3. Besprechen Sie, welche Ferien wem besonders wichtig sind, etwa wegen Familientraditionen, Geburtstagen oder des eigenen Urlaubs.
  4. Ordnen Sie jeden Ferienabschnitt schriftlich einem Elternteil zu, mit Datum, Uhrzeit und Übergabeort.
  5. Legen Sie fest, wer das Kind abholt und wer es zurückbringt.
  6. Klären Sie Reisen ins Ausland rechtzeitig mit dem anderen Elternteil.
  7. Halten Sie den Plan schriftlich fest und unterschreiben Sie ihn beide.
  8. Wollen Sie maximale Sicherheit, schließen Sie die Vereinbarung vor dem Bezirksgericht. Dann kann sie notfalls durchgesetzt werden.

Urlaub im Ausland

Ein häufiger Streitpunkt: Ein Elternteil möchte mit dem Kind ins Ausland fahren.

Ein Urlaub ist keine Verlegung des Wohnorts. Ob ein Elternteil mit dem Kind ohne Zustimmung des anderen verreisen darf, ist im Gesetz aber nicht ausdrücklich geregelt. In der Praxis sollten Sie jeden Auslandsurlaub vorher mit dem anderen Elternteil abstimmen und dessen Einverständnis schriftlich festhalten. Manche Länder und Fluglinien verlangen bei Kindern, die nur mit einem Elternteil reisen, eine solche Einverständniserklärung. Informieren Sie sich vorher beim Außenministerium oder bei der Botschaft des Reiselandes.

Wenn der andere Elternteil nicht zustimmt

  • Suchen Sie das Gespräch. Oft stecken konkrete Sorgen dahinter, die sich ausräumen lassen, zum Beispiel mit genauen Angaben zu Reiseziel, Unterkunft und Rückreise.
  • Hilft das nicht, kann eine Mediation oder Familienberatung vermitteln.
  • Verweigert der andere Elternteil die Zustimmung ohne nachvollziehbaren Grund, können Sie beim Pflegschaftsgericht beantragen, dass es die Reise regelt.

Eine E-Mail mit Reisedaten, Reiseziel und Unterkunft, auf die der andere Elternteil zustimmend antwortet, dokumentiert die Absprache.

Wenn ein Elternteil das Kind nicht zurückbringt

Bringt ein Elternteil das Kind nach einem Auslandsurlaub nicht zurück, kann das ein widerrechtliches Zurückhalten nach dem Haager Kindesentführungsübereinkommen sein. Dieses Abkommen regelt die Rückführung von Kindern zwischen den Vertragsstaaten. Wenden Sie sich in so einem Fall sofort an eine Anwältin oder einen Anwalt und an die zentrale Behörde im Bundesministerium für Justiz.

Wenn keine Einigung gelingt

Manchmal klappt eine Einigung trotz aller Bemühungen nicht. Dann gibt es zwei Wege.

Mediation

Vor einem Gerichtsverfahren lohnt sich eine Familienmediation. Eine ausgebildete Mediatorin oder ein Mediator hilft Ihnen, gemeinsam eine Lösung zu finden, ohne dass ein Gericht entscheiden muss. Familienmediation wird vom Bundeskanzleramt gefördert, und Familienberatungsstellen beraten in ganz Österreich kostenlos.

Gerichtliche Regelung

Scheitert auch das, kann jeder Elternteil beim Bezirksgericht eine Ferienregelung beantragen. Das Gericht hört beide Eltern an. Das Kind hört es ab zehn Jahren in der Regel persönlich an, jüngere Kinder meist über die Familiengerichtshilfe. Danach trifft es eine Regelung nach dem Kindeswohl.

Hält sich ein Elternteil nicht an eine gerichtliche oder vor Gericht vereinbarte Regelung, kann das Gericht sie durchsetzen, etwa mit Geldstrafen.

Was im Alltag hilft

  1. Planen Sie früh, am besten im Jänner für das ganze Jahr. Wer früh plant, hat im Sommer deutlich weniger Streit.
  2. Halten Sie alles schriftlich fest: Ferienzeiten, Übergabezeiten und Übergabeorte. Ein gemeinsamer Kalender wie bei Zweiheim.at zeigt beiden den gleichen Stand.
  3. Wenden Sie das Prinzip gerade und ungerade Jahre für Weihnachten, Ostern und den Sommer konsequent an.
  4. Beziehen Sie Ihr Kind seinem Alter entsprechend ein. Ältere Kinder haben eigene Pläne und Freunde. Das ist kein Veto, aber ein wichtiger Punkt.
  5. Bleiben Sie beweglich. Krankheit, eine Familienfeier oder ein Schultermin kommen manchmal dazwischen. Wer selbst entgegenkommt, bekommt meist auch Entgegenkommen zurück.

Frühzeitig, schriftlich und im Sinne des Kindes: Mit diesem Grundsatz werden die Ferien für alle entspannter.

Häufig gestellte Fragen

Gibt es eine gesetzliche Ferienregelung für getrennte Eltern?

Nein. Das Kontaktrecht nach § 187 ABGB umfasst zwar auch Ferienzeiten, die konkrete Aufteilung müssen die Eltern aber vereinbaren oder das Gericht festlegen. Eine Einigung der Eltern geht immer vor.

Was passiert, wenn wir uns nicht auf eine Ferienregelung einigen?

Versuchen Sie es zuerst mit einer Familienberatung oder Mediation. Scheitert das, kann jeder Elternteil beim Bezirksgericht eine Regelung beantragen, die sich am Kindeswohl orientiert.

Brauche ich für einen Auslandsurlaub die Zustimmung des anderen Elternteils?

Ausdrücklich geregelt ist das nicht. Stimmen Sie einen Auslandsurlaub aber immer vorher ab und halten Sie das Einverständnis schriftlich fest. Manche Länder und Fluglinien verlangen eine Einverständniserklärung. Bei Streit kann das Pflegschaftsgericht entscheiden.

Wie lassen sich die Sommerferien fair aufteilen?

Bei einer Doppelresidenz liegt eine hälftige Aufteilung nahe. Lebt das Kind hauptsächlich bei einem Elternteil, hat der andere oft mehrere zusammenhängende Wochen. Viele Familien teilen den Sommer in zwei Blöcke, deren Reihenfolge jedes Jahr wechselt. Halten Sie die Übergabetage genau fest.

Darf das Kind mitentscheiden, bei wem es die Ferien verbringt?

Die Meinung des Kindes zählt, und je älter es ist, desto mehr. Gerichte berücksichtigen sie bei ihren Entscheidungen. Die Verantwortung bleibt aber bei den Eltern oder beim Gericht. Bringen Sie Ihr Kind nicht in die Lage, sich zwischen Ihnen entscheiden zu müssen.

Was tue ich, wenn der andere Elternteil das Kind nach den Ferien nicht zurückbringt?

Wenden Sie sich sofort an das Bezirksgericht oder eine Anwältin oder einen Anwalt. Das Gericht kann die Rückgabe anordnen und durchsetzen. Ist das Kind im Ausland, hilft die zentrale Behörde im Justizministerium nach dem Haager Kindesentführungsübereinkommen.

Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen zur Rechtslage in Österreich und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Kostenlose Erstauskunft gibt es zum Beispiel beim Amtstag Ihres Bezirksgerichts oder bei einer Familienberatungsstelle.

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