Kind mit großer roter Schultasche auf einem gepflasterten Platz
Foto: dongfang xiaowu
Organisation & Alltag7. Juli 20269 Min. Lesezeit

Einschulung bei getrennten Eltern: Schulwahl, Feier und Alltag

Der Schulstart ist für jedes Kind ein großer Schritt. Für getrennte Eltern kommt bei der Einschulung einiges an Abstimmung dazu, von der Schulwahl bis zur Frage, wer zur Feier kommt. Hier lesen Sie, was rechtlich gilt und wie Sie den Schulstart gemeinsam gut hinbekommen.

Den ersten Schultag vergessen viele Kinder ihr Leben lang nicht. Die neue Schultasche, der aufgeregte Blick in die Klasse und im besten Fall zwei Eltern, die beide da sind.

Nach einer Trennung wird aus diesem Bild manchmal ein Streitpunkt. Wer hat die Schule ausgesucht? Wer kommt zur Feier? Wer holt das Kind ab? Viele Eltern stellen sich diese Fragen erst, wenn der Schulstart schon vor der Tür steht.

Was mit dem Schulstart neu dazukommt

Mit dem Schuleintritt beginnt auch für die gemeinsame Elternschaft ein neuer Abschnitt. Plötzlich gibt es Aufgaben, die Sie über Jahre hinweg abstimmen müssen:

  • Schulwahl und Anmeldung
  • der Schulweg von beiden Wohnungen aus
  • Betreuung vor und nach dem Unterricht
  • Hausaufgaben
  • Elternabende und Schulveranstaltungen
  • der Kontakt mit den Lehrkräften
  • Schulsachen und Schulkosten
  • die Ferienplanung

Das ist eine lange Liste, aber mit etwas Vorlauf gut machbar. Fangen Sie am besten schon im Herbst vor dem Schuleintritt mit der gemeinsamen Planung an.

Was rechtlich gilt

Hinweis: Dieser Abschnitt ist ein allgemeiner Überblick und keine Rechtsberatung. Mit konkreten Fragen wenden Sie sich an eine Anwältin oder einen Anwalt für Familienrecht oder an eine Familienberatungsstelle.

Schulpflichtig wird ein Kind mit dem 1. September nach seinem sechsten Geburtstag.

Waren die Eltern verheiratet, bleibt die Obsorge nach der Trennung grundsätzlich bei beiden. Bei unverheirateten Eltern hat zunächst die Mutter die Obsorge allein, die Eltern können aber die gemeinsame Obsorge vereinbaren.

Wer bei gemeinsamer Obsorge entscheidet

Bei gemeinsamer Obsorge darf grundsätzlich jeder Elternteil allein für das Kind handeln, also auch eine Schule anmelden. Eltern sollen in wichtigen Angelegenheiten aber einvernehmlich vorgehen, und die Schulwahl ist eine solche Angelegenheit. Im Alltag sieht das meist so aus:

Art der Entscheidung Beispiele Wer entscheidet
wichtig Schulwahl, Schulwechsel beide gemeinsam
alltäglich Unterschrift für den Wandertag, Jause, Kleidung der Elternteil, bei dem das Kind gerade ist
dringend Arztbesuch, wenn das Kind in der Schule krank wird der Elternteil, der gerade erreichbar ist

Können Sie sich bei der Schulwahl nicht einigen, kann jeder Elternteil das Pflegschaftsgericht, also das Bezirksgericht, anrufen. Es entscheidet nach dem Kindeswohl (§ 138 ABGB). Davor lohnt sich ein Versuch mit einer Familienberatung oder Mediation.

Hat nur ein Elternteil die Obsorge, entscheidet er über die Schule. Der andere hat aber ein Recht, über wichtige Angelegenheiten informiert zu werden und sich dazu zu äußern (§ 189 ABGB).

Die Schulanmeldung gemeinsam angehen

Die Schuleinschreibung findet meist im Herbst oder Winter vor dem Schuleintritt statt. Die genauen Termine legen Bundesland, Gemeinde und Schule fest. Fragen Sie rechtzeitig beim Gemeindeamt oder bei der Wunschschule nach.

So gehen Sie am besten vor:

  1. Informieren Sie sich beide über die Schulen in der Umgebung, am besten gemeinsam oder zumindest abgestimmt.
  2. Prüfen Sie den Schulweg von beiden Wohnungen aus. Bei einer Doppelresidenz muss er von beiden Adressen aus machbar sein.
  3. Einigen Sie sich auf eine Wunschschule. Klären Sie, was jedem wichtig ist, und holen Sie sich bei Streit Unterstützung, etwa in einer Familienberatungsstelle.
  4. Melden Sie das Kind an. Beide Eltern sollten Bescheid wissen. Manche Schulen ermöglichen auch eine gemeinsame Anmeldung.
  5. Sagen Sie der Schule, dass Ihr Kind in zwei Haushalten lebt. Das erleichtert später die Kommunikation.

Fragen Sie bei der Anmeldung, ob beide Eltern als Kontaktpersonen eingetragen werden können. Dann bekommen beide Informationen direkt von der Schule.

Die Schulanfangsfeier

Für das Kind ist der erste Schultag ein großer Moment, und Kinder spüren sehr genau, wie die Stimmung zwischen ihren Eltern ist. Sind beide Eltern friedlich da, zeigt das dem Kind, dass sich beide für es freuen. Das gibt Sicherheit an einem Tag, der ohnehin aufregend ist.

Wenn ein gemeinsamer Auftritt schwierig ist

Nicht in jeder Familie ist das möglich. Bei sehr viel Streit kann es das Kind auch belasten, wenn beide Eltern kommen. Fragen Sie sich ehrlich:

  • Können Sie beide an diesem Tag höflich und ruhig miteinander umgehen?
  • Gibt es klare Absprachen, etwa wer wo steht und wer mit dem Kind fotografiert?
  • Kann Ihr Kind den Tag genießen, oder fühlt es sich beobachtet?

Belastet die gemeinsame Anwesenheit das Kind, kann eine Aufteilung sinnvoll sein. Ein Elternteil begleitet es zur Feier, der andere holt es ab und feiert am Nachmittag noch einmal mit ihm.

Sagen Sie Ihrem Kind vorher, wie der Tag abläuft, zum Beispiel: „Mama und Papa kommen beide, wir freuen uns für dich." Kinder brauchen diese Klarheit, um den Tag genießen zu können.

Den Schulalltag organisieren

Mit dem Schulstart beginnt die eigentliche Abstimmungsarbeit. Am besten treffen Sie vorher eine schriftliche Vereinbarung über die schulischen Zuständigkeiten.

Was Sie vorab klären sollten

  • Wer geht zu Elternabenden, beide, abwechselnd oder einer?
  • Wer unterschreibt Mitteilungen, wenn das Kind gerade beim anderen Elternteil ist?
  • Wer ist für die Schule der erste Ansprechpartner?
  • Wie kommen Noten, Elternbriefe und Termine in beide Haushalte?
  • Wie werden die Hausaufgaben in beiden Haushalten betreut?

Hausaufgaben bei einer Doppelresidenz

Wechselt das Kind regelmäßig den Haushalt, wechseln die Hausaufgaben mit. Bewährt hat sich, dass klar ist, wer an welchen Wochentagen die Hausaufgaben begleitet, dass Sie sich regelmäßig kurz über den Lernstand austauschen und dass Schulsachen nicht im falschen Haushalt liegen bleiben. Eine Liste im Mitteilungsheft oder ein gemeinsamer Kalender wie bei Zweiheim.at hilft, Termine und Aufgaben im Blick zu behalten.

Wer die Schulkosten zahlt

Mit der Schule kommen neue Ausgaben. Grundsätzlich gilt: Gewöhnliche Schulkosten wie Hefte, Stifte und kleinere Ausflüge sind mit dem laufenden Unterhalt abgedeckt. Für außergewöhnliche, notwendige Ausgaben kann zusätzlich Sonderbedarf geltend gemacht werden.

Ausgabe Einordnung Was sich bewährt
Schulsachen vom Unterhalt umfasst klar absprechen, wer was kauft
Ausflüge und Schulveranstaltungen meist vom Unterhalt umfasst größere Beträge vorher besprechen
Nachhilfe kann Sonderbedarf sein, wenn sie nötig ist gemeinsam entscheiden
Schulbücher weitgehend über die Schulbuchaktion gedeckt kaum ein Streitpunkt
Hort und Nachmittagsbetreuung eigene Regelung nötig gemeinsam entscheiden und Kosten aufteilen

Den Familienbonus Plus aufteilen

Der Familienbonus Plus beträgt bis zu 2.000,16 Euro pro Kind und Jahr bis zum 18. Geburtstag. Bei getrennten Eltern können der Elternteil, der die Familienbeihilfe bekommt, und der Elternteil, der Unterhalt zahlt, ihn aufteilen. Wer Unterhalt zahlt, muss die Zahlungen nachweisen können. Welche Aufteilung für Sie günstiger ist, erklärt Ihnen das Finanzamt oder die Arbeiterkammer.

Der Schulweg bei einer Doppelresidenz

Lebt das Kind in zwei Haushalten, muss der Schulweg von beiden Wohnungen aus klappen. Prüfen Sie,

  • ob die Schule von beiden Wohnungen aus in vertretbarer Zeit erreichbar ist,
  • ob das Kind den Weg allein schaffen kann,
  • ob es öffentliche Verkehrsmittel gibt und
  • wer das Kind an welchen Tagen bringt.

Üben Sie den Schulweg vor dem ersten Schultag mehrmals mit Ihrem Kind, von beiden Wohnungen aus und am besten auch einmal zur echten Uhrzeit am Morgen. Kinder, die ihren Weg kennen, starten selbstbewusster.

Was im Alltag hilft

  1. Reden Sie früh über schulische Themen, nicht erst, wenn ein Konflikt entsteht. Eine ruhige E-Mail im Oktober ist besser als Streit im Jänner.
  2. Halten Sie schriftlich fest, wer zu Elternabenden geht, wer Mitteilungen unterschreibt und wie Informationen weitergegeben werden.
  3. Beziehen Sie die Schule ein. Informieren Sie Klassenlehrerin oder Klassenlehrer und Schulleitung diskret, aber klar über die Situation.
  4. Machen Sie Ihr Kind nicht zum Boten. „Sag deiner Mama, dass …" belastet Kinder.
  5. Holen Sie sich Unterstützung, wenn Ihr Kind sich schwertut. Familienberatungsstellen beraten kostenlos, und Rainbows bietet Gruppen für Kinder an, deren Eltern sich getrennt haben.

Kinder, deren Eltern schulische Entscheidungen gemeinsam tragen, kommen leichter in der Schule an. Planen Sie früh, bleiben Sie sachlich, und machen Sie den ersten Schultag zu einem Tag, an dem es um Ihr Kind geht.

Häufig gestellte Fragen

Müssen beide Eltern bei der Schulanmeldung dabei sein?

Das hängt von der Schule ab. Bei gemeinsamer Obsorge darf grundsätzlich jeder Elternteil das Kind anmelden. Weil die Schulwahl eine wichtige Angelegenheit ist, sollten aber beide einverstanden sein. Fragen Sie bei der Schule nach, welche Unterschriften sie braucht.

Was passiert, wenn wir uns bei der Schulwahl nicht einigen?

Dann kann jeder Elternteil das Pflegschaftsgericht anrufen, das nach dem Kindeswohl entscheidet. Versuchen Sie vorher eine Einigung mit Hilfe einer Familienberatung oder Mediation. Das ist schneller und schonender für alle.

Habe ich ein Recht, zur Schulanfangsfeier zu kommen?

Einen rechtlichen Anspruch auf die Teilnahme gibt es nicht. Für das Kind ist es aber meist schön, wenn beide Eltern kommen, solange das ohne Streit gelingt. Ist die Lage sehr angespannt, kann eine Aufteilung des Tages besser sein.

Wer zahlt die Nachhilfe?

Ist Nachhilfe wirklich nötig, etwa damit das Kind die Klasse schafft, kann sie Sonderbedarf sein, an dem sich der unterhaltspflichtige Elternteil beteiligen muss. Entscheiden Sie am besten gemeinsam, ob und in welchem Umfang Nachhilfe sinnvoll ist, und lassen Sie sich im Streitfall rechtlich beraten.

Kann ich verlangen, dass die Schule auch mich informiert?

Ja. Bei gemeinsamer Obsorge haben beide Eltern Anspruch auf Informationen der Schule. Bitten Sie die Schule, Sie als zweite Kontaktperson einzutragen. Auch ohne Obsorge haben Sie ein Recht auf Information über wichtige Angelegenheiten Ihres Kindes.

Wie erkläre ich meinem Kind den Schulstart in zwei Haushalten?

Mit klaren Informationen, die zu seinem Alter passen: welche Schule es besucht, wer es wann bringt und abholt und dass beide Eltern für es da sind. Am besten stimmen Sie sich vorher ab, damit Ihr Kind von beiden dasselbe hört.

Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen zur Rechtslage in Österreich und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Kostenlose Erstauskunft gibt es zum Beispiel beim Amtstag Ihres Bezirksgerichts oder bei einer Familienberatungsstelle.

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