Großmutter und Enkelin frühstücken gemeinsam und lachen
Foto: Vitaly Gariev
Recht & Finanzen7. Mai 20268 Min. Lesezeit

Kontaktrecht der Großeltern in Österreich: Was gilt?

Großeltern haben in Österreich ein gesetzliches Recht auf Kontakt zu ihren Enkeln. Es ist aber schwächer als das Kontaktrecht der Eltern. Hier lesen Sie, was § 188 ABGB bedeutet, wann Großeltern zu Gericht gehen können und wie sich Konflikte besser ohne Verfahren lösen lassen.

Wenn eine Familie auseinandergeht, verlieren manchmal auch Großeltern den Kontakt zu den Enkelkindern, obwohl sie jahrelang eine enge Beziehung hatten. Das tut allen weh, am meisten den Kindern.

Das österreichische Recht sieht für diesen Fall etwas vor: Das Kontaktrecht der Großeltern steht in § 188 ABGB, und Großeltern können es vor Gericht durchsetzen. Viele wissen das nicht und geben auf, obwohl es rechtlich eine Lösung gäbe.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Rechtsberatung. Mit konkreten Fragen wenden Sie sich an eine Anwältin oder einen Anwalt für Familienrecht oder an eine Familienberatungsstelle.

Die gesetzliche Grundlage

Das Kontaktrecht der Großeltern regelt § 188 ABGB. Die Bestimmung verweist auf das Kontaktrecht der Eltern in § 187 ABGB, schränkt es für Großeltern aber ein.

Was § 188 ABGB sagt

Großeltern haben grundsätzlich das Recht, ihre Enkel zu sehen. Das gilt für die Großeltern mütterlicherseits genauso wie für die väterlicherseits.

Das Gericht muss die Kontakte aber einschränken oder untersagen, wenn sonst

  • das Familienleben der Eltern oder eines Elternteils gestört würde oder
  • die Beziehung der Eltern zum Kind darunter leiden würde.

In der Praxis heißt das: Kann ein Elternteil nachvollziehbar zeigen, dass die Besuche der Großeltern Unruhe und Streit in den Familienalltag bringen, kann das Gericht den Kontakt einschränken oder ganz untersagen. Maßstab bleibt dabei immer das Wohl des Kindes.

Auch andere Menschen, die dem Kind besonders nahestehen, etwa eine frühere Pflegemutter, können ein Kontaktrecht bekommen, wenn das dem Kind dient (§ 188 Abs. 2 ABGB).

Wie stark das Kontaktrecht der Großeltern ist

Um ehrlich zu sein: Es ist schwächer als das der Eltern.

Beim Kontaktrecht der Eltern gehen die Gerichte davon aus, dass der Kontakt dem Kind in aller Regel guttut. Eingeschränkt wird er nur aus gewichtigen Gründen. Bei Großeltern sind die Gerichte zurückhaltender. Sie schauen genauer, ob der Kontakt dem Kind tatsächlich etwas bringt, und schon eine Störung des Familienlebens der Eltern ist ein eigener Grund für eine Einschränkung.

Merkmal Kontaktrecht der Eltern Kontaktrecht der Großeltern
Rechtsgrundlage § 187 ABGB § 188 ABGB
Ausgangspunkt Kontakt tut dem Kind gut Gericht prüft genauer, ob er dem Kind nützt
Hürde für Einschränkungen hoch niedriger
Wohlverhaltensgebot ja ja
vor Gericht durchsetzbar ja ja
Störung des Familienlebens der Eltern kein eigener Grund eigener Grund für Einschränkung

Wann Eltern den Kontakt verweigern dürfen

Einfach und folgenlos verweigern können Eltern den Kontakt nicht. Es gibt aber Gründe, die das Gericht anerkennt.

Gründe, die zählen

  • Der Kontakt belastet das Kind erkennbar, zum Beispiel mit Schlafproblemen oder Ängsten nach den Besuchen.
  • Die Großeltern untergraben die Erziehung der Eltern oder reden vor dem Kind schlecht über sie.
  • Die Großeltern versuchen, das Kind gegen einen Elternteil einzunehmen.
  • Die Besuche stören den Familienalltag erheblich, etwa weil sie sehr häufig und unangekündigt kommen.
  • Es gibt begründete Sorgen um die Sicherheit des Kindes.

Gründe, die nicht zählen

  • Streit zwischen Eltern und Großeltern, der mit dem Kind nichts zu tun hat.
  • Allgemeine Abneigung oder alte Familienkonflikte.
  • Der Wunsch, den Ex-Partner zu treffen, indem man seine Eltern aussperrt.

Tipp: Wenn Sie als Elternteil Bedenken wegen der Besuche haben, schreiben Sie konkrete Vorfälle zeitnah und sachlich auf. Im Streitfall zählt das mehr als allgemeine Aussagen.

Was Großeltern beachten müssen

Wer Kontakt zu den Enkeln hat oder ihn einfordert, hat auch Pflichten. Das Wohlverhaltensgebot in § 159 ABGB verlangt von allen Beteiligten, alles zu unterlassen, was die Beziehung des Kindes zu anderen Bezugspersonen beeinträchtigt. Das gilt auch für Großeltern.

Konkret heißt das für Großeltern:

  • Sie sprechen vor dem Kind nicht schlecht über die Eltern und hetzen es nicht gegen sie auf.
  • Sie halten sich an die Regeln der Eltern, auch bei Süßigkeiten oder Schlafenszeiten.
  • Sie benutzen das Kind nicht als Boten oder um etwas über den anderen Haushalt zu erfahren.
  • Sie tragen ihre eigenen Konflikte mit den Eltern nicht über das Kind aus.

Wer sich nicht daran hält, riskiert, dass das Gericht den Kontakt einschränkt, obwohl grundsätzlich ein Kontaktrecht besteht. Großeltern, die das Kind in den Mittelpunkt stellen und nicht den Streit, haben die besten Argumente.

So läuft ein Verfahren ab

Gelingt keine Einigung, können Großeltern beim Bezirksgericht beantragen, dass ihr Kontakt geregelt wird. Das Verfahren läuft nach dem Außerstreitgesetz.

  1. Suchen Sie zuerst das Gespräch mit den Eltern, sachlich und am besten auch schriftlich.
  2. Denken Sie an eine Familienmediation. Das Bundeskanzleramt fördert sie, und oft findet sich so eine Lösung ohne Gericht.
  3. Lassen Sie sich vor einem Antrag von einer Anwältin oder einem Anwalt für Familienrecht beraten.
  4. Stellen Sie den Antrag beim Bezirksgericht, in dessen Sprengel das Kind lebt. Begründen Sie, warum der Kontakt dem Kind guttut.
  5. Das Gericht hört alle Beteiligten an. Es kann eine Sachverständige oder die Familiengerichtshilfe einschalten und, je nach Alter, auch das Kind befragen.
  6. Am Ende legt das Gericht fest, wie oft und unter welchen Bedingungen Kontakte stattfinden.

Im Verfahren hilft es, die bestehende Bindung zu den Enkeln greifbar zu machen: mit Fotos, mit Beschreibungen gemeinsamer Erlebnisse oder mit Zeuginnen und Zeugen. Allgemeine Behauptungen überzeugen ein Gericht weniger.

Was nach einer Trennung der Eltern gilt

Eine Trennung oder Scheidung ändert am Kontaktrecht der Großeltern grundsätzlich nichts. Beide Großelternpaare behalten es, egal bei welchem Elternteil das Kind lebt.

Typische Konflikte nach einer Trennung sind:

  • Ein Elternteil zieht mit dem Kind weg, und der Kontakt zu den Großeltern der anderen Seite wird schwierig.
  • Die neue Partnerin oder der neue Partner eines Elternteils will mit der früheren Familie nichts zu tun haben.
  • Die Eltern ziehen die Großeltern in ihren Streit hinein, in beide Richtungen.

Helfen können klare, schriftliche Absprachen über Besuchszeiten, auch mit den Großeltern. Eine gemeinsame App wie Zweiheim.at erleichtert die Abstimmung von Terminen. Und bevor ein Konflikt eskaliert, ist eine Mediation oft der bessere Weg.

Großeltern, die nach einer Trennung den Kontakt halten wollen, sprechen am besten beide Elternteile respektvoll an, nicht nur das eigene Kind. Damit zeigen sie, dass es ihnen um das Enkelkind geht und nicht um eine Seite im Streit.

Was Großeltern und Eltern tun können

  1. Reden Sie miteinander, bevor Sie rechtliche Schritte setzen. Ein sachlicher Brief ohne Vorwürfe öffnet oft mehr als ein Antrag bei Gericht.
  2. Nutzen Sie eine geförderte Familienmediation. Sie ist günstiger, schneller und schonender als ein Verfahren.
  3. Halten Sie bestehende Kontakte fest, als Nachweis einer gewachsenen Bindung und nicht als Munition gegen jemanden.
  4. Nehmen Sie das Wohlverhaltensgebot ernst. Jeder abfällige Satz über die Eltern schadet dem Kind und der eigenen Position.
  5. Holen Sie sich Beratung, bevor Sie etwas entscheiden. Familienberatungsstellen beraten kostenlos, viele Anwältinnen und Anwälte bieten eine günstige Erstberatung an.

Am besten ist eine einvernehmliche Lösung, weil Kinder ihre Großeltern ohne Streit erleben sollen.

Häufig gestellte Fragen

Haben Großeltern in Österreich ein Recht auf Besuch?

Ja. Das Kontaktrecht der Großeltern steht in § 188 ABGB, gilt für alle vier Großelternteile und kann vor Gericht durchgesetzt werden. Es ist aber schwächer als das Kontaktrecht der Eltern: Stört der Kontakt das Familienleben der Eltern, kann das Gericht ihn einschränken.

Können Eltern den Kontakt zu den Großeltern einfach verbieten?

Nicht ohne Weiteres. Einschränken oder verweigern können Eltern den Kontakt, wenn es dafür gute Gründe gibt, etwa weil das Kind erkennbar darunter leidet. Persönliche Konflikte zwischen den Erwachsenen reichen nicht.

Gilt das Wohlverhaltensgebot auch für Großeltern?

Ja. Nach § 159 ABGB müssen alle Beteiligten alles unterlassen, was die Beziehung des Kindes zu anderen Bezugspersonen beeinträchtigt. Großeltern dürfen das Kind also nicht gegen die Eltern einnehmen und müssen deren Erziehung respektieren. Wer sich nicht daran hält, riskiert eine Einschränkung des Kontakts.

Wie beantragen Großeltern eine Kontaktregelung?

Mit einem Antrag beim Bezirksgericht, in dessen Sprengel das Kind lebt. Das Verfahren läuft nach dem Außerstreitgesetz. Lassen Sie sich vorher rechtlich beraten.

Was passiert mit dem Kontaktrecht der Großeltern nach einer Scheidung?

Es bleibt bestehen, für beide Großelternpaare. Die Trennung der Eltern ist kein Grund, den Kontakt zu den Großeltern einer Seite zu unterbinden. Bei Konflikten helfen eine Mediation oder eine gerichtliche Regelung.

Ist eine Mediation eine gute Alternative zum Gericht?

Meistens ja. Sie ist schneller, günstiger und belastet die Beziehungen weniger als ein Verfahren. Das Bundeskanzleramt fördert Familienmediation, Informationen gibt es bei den Familienberatungsstellen.

Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen zur Rechtslage in Österreich und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Kostenlose Erstauskunft gibt es zum Beispiel beim Amtstag Ihres Bezirksgerichts oder bei einer Familienberatungsstelle.

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